Kinderladen sucht Heimat

Eine Elterninitiative will sich mit dem Kitaplatz-Mangel nicht abfinden

In Berlin fehlen derzeit mehr als 3000 Kitaplätze. Nach einem Jahr Elternzeit wird kein Elterngeld mehr gezahlt. Der finanzielle Druck steigt, vor allem für Alleinerziehende. Der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz ab dem 1. Geburtstag, der in diesem Jahr auf sieben Stunden pro Tag angehoben wurde, ist nur für wenige eine wirkliche Hilfe: zu hoch die bürokratischen Hürden, zu langatmig juristischen Prozesse. Und: Es gibt nicht nur zu wenig Platz, es gibt auch nicht genügend Erzieher. Der Unmut unter Berliner Eltern steigt.

„Wir wollen das nicht mehr“, sagt Magdalena Kramer, Mutter und Mitglied des in diesem Frühjahr gegründeten Vereins Kinderladen Panaka – eine Elterninitiative gegen den Kitaplatz-Mangel, aber vor allem für die Kinder. Nach der 40. Kita-Begehung reichte es ihr und ihrer Leidensgenossin Celestine Hassenfratz. „Dann gründe doch selbst eine Kita, habe ich mir im Scherz gesagt“, erinnert sich Kramer. Das war im März. Wenige Wochen später wurde aus der wagen Idee eine konkrete Umsetzung.

Imaginäre Weltreise

Hassenfratz besuchte als treibende Kraft ein Gründungsseminar des Dachverbandes der Berliner Kinderläden, Aushänge im Kiez stießen auf Begeisterung. „Wir haben jede Woche neue Interessenten“, so Kramer. Der Andrang ist der Not entsprechend groß. Haarsträubende Geschichten hätten sie gehört. Von Eltern, die auf 30 Kita-Listen stünden, von Agenturen, die Kita-Plätze aufkauften, von Akademikerinnen, die nicht in ihren Job zurückkönnen, weil die Kinderbetreuung fehle. „Das ist für die Betroffenen wie auch aus volkswirtschaftlicher Sicht ärgerlich“, so Kramer.
Imaginäre Weltreisen. Das Konzept des Kinderladen Panaka steht. Ganz nach dem südamerikanischen Namen, der übersetzt „Gemeinschaft“ bedeutet, liegt der Fokus auf Begegnungen aller Art. „Wir wollen den Kindern den Kiez näher bringen“, so Kramer

Gleichzeitig soll generationsübergreifend gearbeitet werden. Die Multikulturalität des Kinderladens will die Elternschaft für imaginäre Weltreisen nutzen: Ein kindgerechter kultureller Austausch. Außerdem sollen Naturverbundenheit und Nachhaltigkeit gelebt, das ökologische Bewusstsein geschult und Selbstständigkeit und Selbstvertrauen gestärkt werden. Mütter und Väter, die von ausgebildeten Erzieherinnen unterstützt werden, sind hoch engagiert, „jeder macht das, wo er gut drin ist.“ Die 20 Kernkinder, die den Kinderladen besuchen werden, stehen bereits fest, spätestens am Ende des Jahres soll eröffnet werden. Das große Problem ist das Wo! Obwohl das Konzept innovativ und die Finanzierung vom Senat gesichert ist, erweist sich die Immobiliensuche als gewaltige Herausforderung. Stadtplanerisch und politisch scheint das Land nicht vorbereitet zu sein, auf den Baby-Boom der vergangenen Jahre.

Andere motivieren

Leerstehende Gewerbeimmobilien gebe es genug, jedoch das Interesse der Eigentümer fehle. Kapitalvermehrung statt Kinderladen? Kramer will die Hoffnung nicht aufgeben. „Wir werden etwas finden, weil wir es dringend brauchen.“ Dass man auch ohne pädagogische Ausbildung eine Kita schaffen kann, wie man sie sich für seine Kinder wünscht, zeigt der Verein. Als Pilot-Beispiel wollen sie auch andere Eltern motivieren, der Kitaplatz-Not aktiv und selbstverwaltet entgegenzuwirken. Damit werdende Mütter sich in Zukunft nicht schon in den ersten Schwangerschaftsmonaten Sorgen wegen fehlender Kinderbetreuung machen müssen.

Datum: 25.05.2018 Text: Christina Lopinski Bild: Panaka e.V.