Mehr Platz für Menschen am Breitenbachplatz

Bürgerinitiative macht Druck für Veränderungen / Bezirksparlament fordert Brückenabriss

Der Breitenbachplatz soll wieder ein Platz werden: Dieses Ziel verfolgt eine örtliche Bürgerinitiative seit vielen Jahren. Deren Engagement hat jetzt an Fahrt aufgenommen. „Es stoßen immer mehr Leute dazu, die mitmachen wollen“, sagt Ulrich Rosenbaum, der Sprecher der Initiative Breitenbachplatz. Neben Anwohnern würden Politiker auf Bezirks- und Landesebene den Kampf für mehr Lebensqualität und gegen Gebäudeleerstand rund um den stark befahrenen Knotenpunkt zwischen Dahlem, Steglitz und Wilmersdorf unterstützen. Rosenbaum: „Wir haben begonnen, uns mit der Bürgerinitiative Bundesplatz zu verzahnen. Deren Mitglieder haben sich erfolgreich für ein Tempo-30-Limit im Straßenverkehr eingesetzt. So ein Schritt wäre auch am Breitenbachplatz ein guter Anfang.“

Weil der Zustrom an Menschen und Ideen größer sei als angenommen, sei eine ursprünglich für Juni geplante Bürgerinformationsveranstaltung auf September verschoben worden. Kürzlich hat sich die Initiative Breitenbachplatz mit einem Arbeitsausschuss neu aufgestellt. In einem zweiseitigen Papier hat das Team seine Vorstellungen niedergelegt. Das Motto: Wir holen uns den Platz zurück!

Ladensterben stoppen

„Schon seit Jahren wünschen sich die Bürger rund um den Breitenbachplatz, dass der Platz-Charakter wiederhergestellt, die Aufenthaltsqualität verbessert, der Verkehr beruhigt und das Ladensterben gestoppt wird“, heißt es in einem Positionspapier. „Wir alle spüren, dass die Brücke, die das obere Drittel des Platzes abschneidet, den Platz in der Wahrnehmung der Menschen trennt.“ Das Kernziel sei weiterhin der Abriss der Brücke und die völlige Neugestaltung des Areals und der Straßenführung im Bereich Breitenbachplatz-Schildhornstraße.

Die Bürgerinitiative fordert vom Bezirk und Senat, bis zum Ende der Wahlperiode verbindliche Schritte einzuleiten. Ferner hat sie selbst eine Reihe von Ideen vorgelegt. Radfahrstreifen und zusätzliche Zebrastreife sollen für mehr Verkehrssicherheit sorgen. Die Fläche zwischen den Fahrbahnen soll gründlich überholt werden: Im Innenbereich soll das Gestrüpp beseitigt und der historische Flieder wiederhergestellt werden. „Neben den Möglichkeiten, Marktstände aufzustellen, könnte ein kleiner Boule-Platz angelegt werden“, heißt es in einer Aufstellung.

Neben den gut besuchten Sonntagsmärkten sollte ein Wochenmarkt angestrebt werden. „Wenn sich die Aufenthaltsqualität verbessert, könnte auch die desolate Entwicklung bei den Gewerberäumen rund um den Platz umgekehrt werden. Das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf ist aufgefordert, sich um die Entwicklung zu kümmern“, so die Bürgerinitiative. Auch für die Brentanostraße und andere Seitenstraßen, die unter dem zunehmenden Autoverkehr leiden, hat die Gruppe diverse Handlungsvorschläge zusammengestellt.

Anwohner protestieren

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Steglitz-Zehlendorf setzt sich für einen perspektivischen Abriss der Autobahnbrücke auf dem Breitenbachplatz ein. Das Bezirksamt wird gebeten, auf die Erstellung einer Machbarkeits- und Verkehrsstudie hinzuwirken. „Der Bau der Autobahnbrücke am Breitenbachplatz wurde in den 1970er-Jahren von enormem Protest der Anwohner begleitet“, heißt es in dem von Grünen, CDU, Linke und SPD im vergangenen Jahr initiierten Beschluss. „Seitdem sind die damals angedachten Verlängerungen der Autobahn nicht Realität geworden und inzwischen hat sich die Verkehrssituation in der Stadt grundlegend verändert.“ Ein gleichlautender Antrag wird derzeit in den Ausschüssen der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf beraten.

Text: Nils Michaelis, Bild_ imago/Gerhard Leber