Fahrradklau weiter im Abwärtstrend

Fallzahl im Bezirk leicht rückläufig– GPS-Tracker zur Nachverfolgung ist noch kein Allheilmittel.

Der Fahrradklau ist in der Hauptstadt längst ein Alltags-Ärgernis. Aktuelle Zahlen zeigen, dass der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf im berlinweiten Vergleich im oberen Mittelfeld liegt, was die Fallzahlen angeht. Auch ist die Zahl rückläufig und liegt somit im Berlin-Trend. Die Möglichkeiten, sich zu schützen, sind eigentlich bekannt, aber auch begrenzt. Gegenmaßnahmen auf städtebaulicher Seite brauchen viel Zeit. Der Einbau von GPS-Sendern ins Rad wird deshalb immer beliebter, das Angebot an Geräten zunehmend unübersichtlich – aber als Allheilmittel taugen diese Geräte nicht zwangsläufig.

Zahlen rückläufig

Im Bezirk sind nach Zahlen, die dem Abgeordnetenhaus auf Anfrage der Grünen vorgelegt wurden, 3.075 Fahrräder allein im Jahr 2017 gestohlen worden – das sind allerdings auch rund 100 weniger als im Jahr davor. Das zumindest ergab eine verlaufsstatistische Recherche, denn die Polizeiliche Kriminalstatistik nach Tatorten liegt noch nicht vor. Hotspots im Bezirk sind die der Karl-August-Platz (178 Diebstähle), der Ernst-Reuter-Platz (162), der Amtsgerichtsplatz (133), die Babelsberger Straße (119) und Halensee (116). Der Bezirk, in dem am wenigsten Fahrräder gestohlen werden, ist übrigens Marzahn-Hellersdorf (781), die meisten Diebstähle gab es in Mitte (3.913).

Wie hoch die Dunkelziffer ist, dazu gibt es keine Schätzungen. Angesichts der bedauernswerten Aufklärungsquote dürfte aber so mancher mangels Erfolgsaussichten auf eine Anzeige verzichtet haben: Nur 3,9 Prozent aller berlinweit gemeldeten Fälle konnten im vergangenen Jahr aufgeklärt werden. Auch die Möglichkeiten der Polizei sind begrenzt. Prävention in Form von Beratungsangeboten funktioniert nur, wenn sich die Radler dafür auch tatsächlich interessieren. Generell rät die Polizei zu Fahrradcodierungen, sprüht an großen Abstellplätzen und Bahnhöfen deutliche Hinweise zum richtigen Anschließen der Räder an. Sogar ortbare „Lockfahrräder“ kommen zum Einsatz, um notorischen Dieben das Handwerk zu legen. An Brennpunkten wird außerdem häufiger Streife gefahren.

Satelliten-Ortung

Als relativ neue Schutzmaßnahme gegen den Fahrradklau werden im Fachhandel inzwischen verschiedene GPS-Tracker angeboten – im Gefährt versteckte Elektronik, die zum einen in der Lage ist, mit Hilfe von Satellitennavigation die Position des Rads zu bestimmen, andererseits diese aber auch bei Bedarf an eine Smartphone-App übermitteln kann. Dafür braucht es neben der Anfangs-Investition oft noch einen Extra-Mobilfunkvertrag, weil die Tracker die Handynetze nutzen. Erhältlich sind solche Geräte zum Nachrüsten im Prinzip für jedes Fahrrad. Ein Nachteil: Sie brauchen Strom, entweder vom Dynamo oder per Ladegerät, je nach Modell. Gut und auch für Profi-Diebe unsichtbar einbauen lassen sich GPS-Tracker an E-Bikes, die auch gleich eine dauerhaftere Stromversorgung mitbringen. Das kann dann aber nur ein Fachmann einbauen – andere Modelle können auch von Laien montiert werden.

Sicher anschließen

Stephan Behrendt, Fachreferent Technik und Verbraucherberatung in der ADFC-Bundesgeschäftsstelle, glaubt, dass die Wirkung solcher Systeme vor allem dann relativ hoch ist, wenn der Diebstahl schnell auffällt und das Fahrrad schnell aufgespürt wird. Aus seiner Sicht könne sich ein Tracker gerade bei hochwertigen Fahrrädern und E-Bikes lohnen. Trotz der meist hohen Investitionen warnt er aber davor, am falschen Ende zu sparen. Die billigsten Systeme, die über Versandhäuser und Online-Plattformen vertrieben werden, seien oft keine echten GPS-Tracker, sondern versuchen, ihre Position über Mobilfunkmasten in der Nähe zu bestimmen. Am besten, so rät er, solle man zudem zwei hochwertige Schlösser unterschiedlicher Bauart verwenden.

Text: Oliver Schlappat, Bild: ThinkStock/iStock/Diarized