Heiligensee: Gefährliche Reste in den Gräben

Anwohner wollen Regenwasser der A 111 ins Klärwerk leiten lassen.

Wie gefährlich ist das Regenwasser der Autobahn 111, das sporadisch über Rohrsysteme in das grundwassersensible Heiligenseer Grabensystem gelangt? Bei dieser Frage gehen die Meinungen von Anwohnern und Behörden offenbar weit auseinander. Das Bezirksamt fühlt sich nicht zuständig.

Offenkundige Versäumnisse

Harald Haufe aus Heiligensee hat dazu eine Einwohneranfrage an das Bezirksamt gerichtet. „Haben das Bezirksamt Reinickendorf und die vertretenen Fraktionen in der Bezirksverordnetenversammlung aufgrund der offenkundigen Versäumnisse der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, ein eigenes Interesse, dem schwerwiegenden Vorwurf der Gewässerverschmutzung durch eigene, unverzüglich vorzunehmende Gewässer-Gütemessungen abzuhelfen?“, so der genaue Wortlaut.

In seiner Antwort weist Bezirksbürgermeister Frank Balzer darauf hin, dass der Bezirk nicht zuständig sei. „Man muss sich auch die Frage stellen, was mit einer derartigen Messung erreicht werden soll“, so der CDU-Politiker. „Eine einmalige Messung der Gewässergüte besitzt wenig Aussagekraft. Hier müsste ein über Monate oder Jahre andauerndes Monitoring in Korrelation mit dem Verkehrsaufkommen und den Wetterbedingungen erfolgen. Die Kosten für diese Untersuchungen müsste der Bezirk tragen und sie hätten wahrscheinlich auch nur das Ergebnis zur Folge, dass das Wasser belastet ist, ohne gefährlich zu sein.“

Unmittelbare Maßnahmen würden sich aus Untersuchungen nicht ableiten, da der Gesetzgeber bezüglich der Höhe der Schadstoffbelastung durch Niederschlagswassereinleitungen in Gewässer bisher keine konkreten Regelungen getroffen habe, so Balzer. Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz ließ kürzlich in ihrer Antwort auf eine Anfrage des Abgeordneten Stephan Schmidt (CDU) wissen, sie veranlasse keine regelmäßigen Untersuchungen.

„Herr Balzer hat aus Kostengründen kein Interesse, durch Untersuchungen die Höhe der Schadstoffbelastung zu ermitteln“, sagt Haufe. „So unterbleiben notwendige Maßnahmen, diese zweifelsfrei erwiesene Umweltverschmutzung zu verhindern, obwohl bekannt ist, dass das verschmutzte Regenwasser der Autobahn laut Aussage der Berliner Wasserwerke ganzjährig in ein Klärwerk geleitet werden könnte.“ Viele Anwohner aus dem Ortsteil würden diese Einschätzung teilen.

Badende gefährdet

Daher, so Haufe, könne es nur eine Konsequenz geben: Die Einleitung kontaminierten Regenwassers der Autobahn in das Heiligenseer Grabensystem sowie in den Niederneuendorfer See müsse unverzüglich beendet werden. „Auf diese Weise kann mit vorhandenen technischen Mitteln die Kontaminierung des Grundwassers, des Niederneuendorfer Sees und die Gefährdung der Badenden unverzüglich beendet und die sporadische Vernässung immer zahlreicher werdender Heiligenseer Keller durch Hochwasserspitzen minimiert werden“, erklärt Haufe.

Text: Nils Michaelis, Bild:imago/Jürgen Ritter