Humboldt-Klinikum: Notaufnahme braucht mehr Platz

Vivantes-Konzern kündigt Ausbau und zusätzliche Ärzte an.

Berlins Krankenhäuser platzen aus allen Nähten. Gerade Notfallaufnahmen sind chronisch überlastet. So auch am Humboldt-Klinikum in Borsigwalde. Rund 41.000 Menschen sind dort im vergangenen Jahr versorgt worden. Die Patientenzahl stieg in den letzten vier Jahren um 30 Prozent. In den nächsten Jahren soll die Notfallaufnahme ausgebaut werden.

Situation verbessern

„Als Reaktion auf die stetig zunehmenden Patientenzahlen sind Maßnahmen geplant, um die räumliche Situation des Notfallzentrums zu verbessern und um den Patientenkomfort zu erhöhen“, so eine Sprecherin des Vivantes-Konzerns. „Hierzu gehört zunächst die Einrichtung von vier Betten zur Versorgung solcher Patienten, die einer aufwendigeren Diagnostik und einer mehrstündigen Beobachtungszeit bedürfen, bevor entschieden werden kann, ob eine längere stationäre Aufnahme notwendig oder eine Entlassung möglich ist.“

Im Jahr 2019 werde die dann freiwerdende Intensivstation zu einer erweiterten Kurzliegestation umgebaut. Aktuell erfolge eine umfassende Planung für den Umbau des Notfallzentrums, um die Abläufe bei der Patientenaufnahme und Dringlichkeitsbeurteilung zu optimieren sowie die Anzahl der Untersuchungs- und Behandlungsräume zu erhöhen, um den aktuellen und künftigen Ansprüchen der Notfallversorgung auch räumlich zu entsprechen. Die bauliche Umsetzung soll mittelfristig realisiert werden. „Zur Versorgung leichterer Fälle befinden wir uns weiterhin in der Vorplanung zur Einrichtung einer Notfallpraxis in angrenzenden Räumlichkeiten“, so die Sprecherin.

Qualifiziertes Personal

Für Irritationen sorgte jetzt eine Beschlussvorlage der AfD-Fraktion im Reinickendorfer Bezirksparlament. Darin wird gefordert, die Privatsphäre der Patienten in dieser Notfallaufnahme besser zu schützen und das Pflegepersonal zusätzlich fortzubilden, um Behandlungsfehler zu vermeiden. Der Vorwurf: Es mangele an ausgebildeten Notfallmedizinern. Das weist die Vivantes-Sprecherin zurück. Der neue Leiter Andreas Umgelter habe jahrelange Erfahrung in der internistischen Intensivmedizin und Notfallmedizin und neben den Zusatzbezeichnungen „spezielle Intensivmedizin“ und „Notfallmedizin“ auch das Europäische Diplom in interdisziplinärer Intensivmedizin erworben. Im Februar wurde eine weitere Notfallmedizinerin als Oberärztin eingestellt. Eine weitere werde Ende August aus der Elternzeit zurückkehren. Zusätzliche Stellen für notfallmedizinische Oberärzte seien ausgeschrieben. Es sollen auch weitere Ärzte fest in der Rettungsstelle eingestellt werden.

Auch Patientenfürsprecher Jörg Schmidt konnte auf Anfrage keinen der von der AfD erwähnten Mangel in der Notfallaufnahme bestätigen, wenngleich der Personalmangel gerade am Wochenende häufig für lange Wartezeiten sorge.

Text: Nils Michaelis, Bild:imago/Ulli Winkler