Klassentreff zum Achtzigsten

Schüler des Jahrgangs 1938 feiern Klassentreffen in Bohnsdorf

1948 wurde das Klassenfoto vor der „16. Gesamtschule“ in Bohnsdorf, der heutigen Fritz-Kühne?Schule, gemacht, auf dem Sylvia Döring und Doris Karge mit ihren Klassenkameraden zu sehen sind.

Sieben Jahrzehnte später möchten sich die Schüler von damals erneut in Bohnsdorf wiedersehen. Zu einem geselligen Nachmittag bei Kaffee und Kuchen laden die beiden Klassenkameradinnen am 4. April ins Gasthaus „Bohnsdorfer Eck“ ein. Den Termin hat Mitschülerin Helga Heyn bereits vor Weihnachten festgelegt. Erwartet werden dann mindestens 16 der Mitschüler aus der damaligen Zeit – zu denen haben Doris, geannt „Doscha“ und Sylvia nämlich noch immer Kontakt. „Schön wäre es, wenn noch ein paar weitere Mitschüler dazu kämen und von unserem Klassentreffen erfahren könnten“, sagt Sylvia Döring, die bereits beim allerersten Wiedersehenstreffen vor 20 Jahren das Berliner Abendblatt um einen entsprechenden Aufruf gebeten hatte. 1998 kamen 32 der ehemaligen Mitschüler zu der kleinen Feier nach Klabow. „Uns ist ja klar, dass von denen auch einige inzwischen verstorben sind. Trotzdem werden wir uns bestimmt Anfang April in ansehnlicher Klassenstärke in Bohnsdorf treffen“, freut sich Freundin Doscha, die selbst als Lehrerin viele Jahrzehnte an Schulen in Treptow gearbeitet hat.

Bewegte Zeit

„Wir sind alle Jahrgang 1938. Als wir mit sechs Jahren in Bohnsdorf eingeschult wurden, hatten wir schon 500 Jahre des tausendjährigen Reiches erlebt“, sagt sie. Doris Karge hat die Zeit trotzdem in noch guter Erinnerung. „Zu unserm ersten Treffen nach über 50 Jahren waren wir uns noch immer sehr vertraut. Wir waren alle in unserer Kindheit wirklich arme Schlucker. Der Krieg hatte fast alle Familien katastrophal mitgenommen – viele von uns sind ohne Väter aufgewachsen. Und die Versorgung war damals dramatisch schlecht“, sagt die ehemalige Lehrerin und ergänzt, „aber irgendwie waren es damals trotz allem auch wunderschöne Tage, die uns auch ein wenig bis in die heutige Zeit zusammengeschweißt haben.“

 Verschiedene Lebenswege

Die Klassenbücher von damals gibt es nicht mehr. Dafür halten die gemeinsamen Erinnerungen all die Geschichten jung, die die Schüler in den düstersten Jahren der deutschen Geschichte in Bohnsdorf erlebten. „Die Klügste von uns war damals schon die Dorothea Beutling. Wenn im Unterricht niemand mehr weiter wusste, konnte Dorle immer weiterhelfen. Später hat sie es ja sogar zu einer richtig prominenten wissenschaftlichen Karriere als Veterinärmedizinerin mit Doktor- und Professortitel an der Humboldt-Universität gebracht“, sagt Sylvia Döring, die selbst an der Bohnsdorfer Schule im Jahr 1952 abschloss, Familie gründete und in den Jahren danach zeitweise als Postbotin arbeitete. Jetzt freuen sich alle gemeinsam auf ein Wiedersehen. „Bei den Treffen zuvor hatte die weiteste Anreise eine Mitschülerin tatsächlich aus Italien“, berichtet Sylvia Döring.

Anhang wartet

Los geht es am 4. April in der Gaststätte zum Bohnsdorfer Eck, Grünbergallee 101 um 14 Uhr. Und auch die Begleitungen der Bohnsdorfer Schüler sind an diesem Nachmittag nicht ganz außen vor. „Wir machen ja den Chauffeur- und Security-Dienst und werden es uns im großen, separaten Gastraum des Lokals gemütlich machen“, erklärt schließlich Horst Renner, Ehemann von Doris Karge. Renner selbst ist noch einmal fünf Jahre älter als seine Gattin……

Text und Bilder: Stefan Bartylla