Reinickendorf: Und täglich droht der Verkehrsinfarkt

Zunehmende  Belastungen durch Pendler / ADAC fordert länderübergreifenden Plan.

Immer wieder Stau auf der Autobahn 111, zugeparkte Straßen an den Bahnhöfen in Hermsdorf und Frohnau und chronisch überfüllte Züge: Der zunehmende Pendlerverkehr bringt für die Reinickendorfer spürbare Belastungen mit sich. Ein Konzept zur Entspannung der Situation ist aufseiten der Politik nicht in Sicht. Immerhin verständigten sich die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg jetzt darauf, ab April die Kapazitäten im Bahnverkehr zu erhöhen. So soll auf der Strecke von Oranienburg zum Ostkreuz die Zahl der Sitzplätze zu den Stoßzeiten von 150 auf 200 erhöht werden.

„Im Nordwesten haben wir eine ganz besondere Situation“, sagt Jörg Becker, Verkehrsexperte beim ADAC. „Die kommende Teilsanierung der Autobahn 111 und der Neubau der Rudolf-Wissell-Brücke wird viele Belastungen mit sich bringen.“ Die Ankündigung der beiden Landesregierungen in Sachen Zugverkehr hält er für unzureichend: „Die Landkreise Havelland und Oberhavel boomen. Um die zunehmenden Pendlerströme zu bewältigen müssen sich Senat und Bezirke mit den beiden Kreisen abstimmen und auch den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) einbinden.“

Neue Buslinie

Die Reinickendorfer FDP-Fraktion fordert unter anderem, in Hohen Neuendorf sowie auf dem Obi-Parkplatz und entlang der S-Bahn-Trasse in Waidmannslust Park-and-Ride-Parkplätze einzurichten. Der Zeltinger Platz und der Ludolfinger Platz sollen zu einer Ein-Stunden-Parkzone erklärt werden. Zudem sollen eine Buslinie von Glienicke nach Frohnau sowie mehr Fahrradstellplätze an den S-Bahnhöfen eingerichtet werden.

Laut Bezirksbürgermeister Frank Balzer hat Obi den Park-and-Ride-Vorstoß bereits im letzten Jahr abgelehnt. „Der Bezirk fordert stattdessen die Ausweitung der Tarifzone A und B auf das Umland“, so der CDU-Politiker. „Leider lehnen das alle Parteien im Abgeordnetenhaus, mit Ausnahme der CDU, sowie der VBB ab.“ Einhergehend mit diesem Schritt wäre eine Schaffung von Pendler-Parkplätzen im Umland sinnvoll.

Attraktive Tarife

Letzteres fordert auch Becker. Die Nutzung der Parkhäuser müsse aber auch attraktiv sein. Becker: „In Hennigsdorf gibt es ein großes Parkhaus, doch es ist viel zu teuer. Ein günstigerer Tarif, etwa in Kombination mit der VBB-Jahreskarte, würde sicherlich mehr Menschen dazu bringen, ihr Auto abzustellen.“ Außerdem müsse der Ausbau von S-Bahn- und Regionalbahntrassen, etwa auf der Strecke Hennigsdorf-Velten-Kremmen, forciert werden. Die S1 sollte in Spitzenzeiten, zumindest bis zum Halt in Birkenwerder, alle fünf Minuten verkehren. Auch die U6 müsse verstärkt werden.

Bis zum 9. Juni läuft eine Online-Petition von CDU-Politikern aus Oranienburg, die sich für einen 10-Minuten-Takt der S1 ab und bis Oranienburg einsetzt.

Text: Nils Michaelis, Bild: imago/Jürgen Ritter