Leben zwischen den Welten

 Ausstellung zeigt Wünsche von Jugendlichen innerhalb und außerhalb der Gefängnismauern.

„Was ist Heimat“? Eine zentrale Frage, insbesondere für Jugendliche und Heranwachsende, die aus ihrer eigentlichen Heimat geflohen sind und in einem anderen Land ein neues Zuhause gefunden haben. Wie es sich anfühlt, in einem fremden Land neu anzufangen, zeigt die aktuelle Ausstellung „ZwischenWelten“ im Abgeordnetenhaus Berlin. Im Rahmen des gemeinschaftlichen Projekts des Vereins Gangway und der Jugendstrafanstalt Berlin erforschten junge Menschen innerhalb und außerhalb der Gefängnismauern ihre eigenen Biografien.

Zwischen Welten

Herausgekommen ist eine Mischung aus Gedichten, Geschichten aus einzelnen Episoden ihres Lebens, Zeichnungen und Audioaufnahmen. Im Zentrum des Ganzen steht die Auseinandersetzung damit, was es bedeutet, zwischen den Welten zu leben und in der neuen Heimat oder hinter Gittern Ziele für das eigene Leben zu finden. In vielen Gedichten geht es um Krieg, um Tod, um den Verlust geliebter Menschen. Aber auch Hoffnung schwingt mit in den Geschichten der Jugendlichen. Zur Eröffnung der Ausstellung in der Wandelhalle kamen, neben Justizsenator Dirk Behrendt, der Anstaltsleiter der Jugendstrafanstalt Bill Borchert, die Gangway-Geschäftsführerin Elvira Berndt sowie mehrere hundert Jugendliche, Projektbeteiligte und andere Interessierte.

Potenziale erkennen

Bill Borchert zeigte sich berührt davon, dass die Jugendlichen von „ZwischenWelten“ in diesem ehrwürdigen Haus ein Gesicht bekommen. „Die jungen Männer sind bei uns, weil sie Probleme haben. Aber in jedem Menschen gibt es etwas Positives und als pädagogische Einrichtung unterstützen wir die jungen Männer dabei, Potenziale zu erkennen, zu entfalten und auf den Weg zu bringen. „ZwischenWelten“ ist ein gelungenes Projekt der Begegnung auf verschiedenen Ebenen und deshalb ist es so erfolgreich.“ Und auch Elvira Berndt betonte zur Eröffnung nochmal die Bedeutung, die Projekte dieser Art für Jugendliche haben können. „Gerade in der schwierigen Lebensphase der Pubertät, in der sich die jungen Menschen befinden, sind verlässliche Beziehungen wichtig – erst recht in Haft.“

Zum Projekt

„Ziel des Projektes ist es, dass die Teilnehmer ihre Geschichten entdecken, sie untereinander diskutieren und dann zu Papier bringen, jeder nach seinen Fähigkeiten und Interessen mit Kunstformen wie Schreiben, Film, Graffiti, Zeichnungen, Theater oder Rap. Im letzten Schritt ist es wichtig, dass diese Gedanken und Impressionen mit einem Publikum geteilt werden und sie ein Feedback bekommen. Damit schließt sich der Kreis“, beschreibt Birgit Lang, die Sozialarbeiterin und Projektleiterin in der Jugendstrafanstalt, ihre Arbeit mit den Inhaftierten. Die Jugendstrafanstalt Berlin ist eine Vollzugsanstalt für junge männliche Gefangene, in der Erziehung genauso eine wichtige Rolle spielt wie soziale Integration.

Der Verein Gangway ist auf die Straßensozialarbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen spezialisiert. Gangway wurde 1990 gegründet und wird vom Senat und den Bezirksämtern gefördert. Die Ausstellung in der Wandelhalle des Abgeordnetenhauses, Niederkirchnerstraße 5, ist noch bis zum 22. März, wochentags von 9 bis 18 Uhr, zu sehen. Der Eintritt ist für alle Besucher frei.

Text und Bild: Katja Reichgardt