Im Osten fehlen Schwimmhallen

Planungen für ein Multifunktionsbad können frühestens  2025 starten.

Rund eine dreiviertel Million Menschen leben in den Bezirken Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick. Die Berliner Bäder Betriebe unterhalten hier acht Schwimmhallen – im Sommer können Schwimmer noch die Frei- und Strandbäder in der Wuhlheide am Wendenschloss, in Grünau, am Orankesee und am Weissensee nutzen. Das reicht nicht, meinen Kritiker wie Norman Wolf. Der Lichtenberger BVV-Vorsitzende der Linken hatte Anfang März im Rahmen der Lichtenberger Rathausnacht die Bäder-Chefin Annette Siering zu einer Info-Veranstaltung zu genau diesem Thema eingeladen.

Mitgliederanträge stapeln sich bei den Vereinen

„Laut Satzung müssen wir die Voraussetzungen schaffen, dass die Bäder zu mindestens 50 Prozent auch für Freizeitschwimmer ohne Vereinszugehörigkeit genutzt werden können. Das gelingt uns hier im Bezirk nicht“, räumt die Bäder-Chefin ein. Ein Umstand, der einen echten „Run“ auf die Schwimmvereine zur Folge hat. „Bis zu 1.000 Mitgliedsanträge haben die Clubs in den Ostbezirken derzeit in der Warteschleife“, berichtet Gabriele Hiller, die Marzahner Abgeordnete der Linken im Abgeordnetenhaus. Viele Freizeitschwimmer wählen diesen Weg, der einen zeitlich variableren Zutritt zu den entsprechenden Bädern ermöglicht.

Vor dem Jahr 2025 keine Besserung

Auch für die nähere Zukunft kann Annette Siering keine Abhilfe mit mehr Schwimmzeiten versprechen. Die nächsten größeren Bauprojekte für Schwimmbäder sind für Pankow und Mariendorf geplant. Multifunktionsbäder für jeweils 30 Millionen Euro sollen dort bis zum Jahr 2025 entstehen. Erst danach können weitere Projekte ins Auge gefasst werden. „Es ist kein Geheimnis, dass wir uns dann eine Fläche nahe des Tierparks für die Region Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg vorstellen können“, sagt Siering. Die Entscheidung darüber läge aber letztendlich bei der Senats- und Bezirkspolitik.

Sanierungsfälle gelten als inakzeptabel

Eine zwischenzeitliche Inbetriebnahme des seit Jahrzehnten geschlossenen Hubertusbades in der Nähe des Sana-Klinikums kommt für ihr Unternehmen hingegen überhaupt nicht in Frage. „So ein Projekt haben wir vor wenigen Jahren bereits in der Steglitzer Finkensteinallee durchgeführt. Da sind die Kosten explodiert. Solche Projekte rechnen sich nicht“, so ihre Einschätzung zum vergleichbaren Sanierungsfall „Hubertusbad“. Das Bad sei ohnehin im Besitz des Liegenschaftsfonds.

Auch für eine Sanierung am Standort Siegfriedstraße kann Annette Siering wenig Hoffnung machen. Das alte BVG-Freibad, das seit Anfang der 90er Jahre geschlossen ist, schlummert hier seit fast 30 Jahren einen Dornröschenschlaf. „Mit der Nähe zu Marzahn-Hellersdorf nicht uninteressant“, sagt Siering – allein die Fläche sei zu klein für den Bau eines modernen Multifunktionsbades. Große Option. Allen Zuhörern an diesem Abend wird klar, dass die Alternativen in der Diskussion mit den Bäderbetrieben nur „Multifunktionsbad oder gar kein Bad“ lauten. Da aber die große, 30 Millionen Euro teure Version frühestens in zehn Jahren in Betracht kommt, wünschen sich viele Schwimmer eine schnellere Lösung.

Poltische Perspektiven

„Geld dafür wäre vorhanden“, schätzt Sebastian Schlüsselburg, der Lichtenberger Abgeordnete der Linken die Situation ein. Allein ein geeigneter Standort müsse gefunden werden. „Wir stehen bereit, mögliche Flächen für eine Bädernutzung zu sichern. Ich nehme Frau Siering beim Wort und lade Sie zu einem Spaziergang ein, um auch die Fläche des BVB-Bades zu begutachten“, fasst Norman Wolf die Diskussionsergebnisse des Abends zusammen. Die Pläne für ein neues Bad in der Region Lichtenberg-Marzahn sollten endlich Fahrt aufnehmen“, lautet seine Einschätzung am Ende des Info-Abends.

Text: Stefan Bartylla / Bild: Imago/Catrin Bach