Unsichtbares Licht aus Spandau

Im Osramwerk in Siemensstadt entsteht ein Technologiezentrum.

In der Werkhalle an der Nonnendammallee arbeiten die Mitarbeiter zweier Firmen unter einem Dach. Noch, muss man hinzufügen, denn so gut wie sicher ist, dass die chinesischen Eigentümer der einstigen Osram-Tochter Ledvance die Produktion der angesagten LED-Leuchten im Retrodesign und anderer Lichtanwendungen ins Reich der Mitte auslagern wird und damit 200 Mitarbeiter ihren Job verlieren.

Mitarbeiter gesucht

Mitarbeiter gesucht werden demnächst im anderen Teil des Fabrikgebäudes in der Siemensstadt. Der Beleuchtungshersteller Osram hat angekündigt, seine Standorte in Berlin und Regensburg auszubauen. Hightech könne auch in Deutschland produziert werden, sagte Vorstandschef Olaf Berlien auf der Technikmesse CES in Las Vegas. Das Unternehmen baue in Berlin ein neues Software- und Elektronik-Zentrum für Technologien zum autonomen Fahren auf. Außerdem wolle Osram mehr als 500 Millionen Euro in den Standort in Regensburg investieren und 1.000 Mitarbeiter zusätzlich einstellen.

Tragende Rolle

Hintergrund dieser erfreulichen Entwicklung im Spandauer Osram-Werk: Die Glühlampe hat die Vergangenheit von Osram geprägt – inzwischen gibt ganz neue Marktbereiche, etwa bei der Ausstattung von autonom fahrenden Autos. Der Standort Berlin soll dabei eine tragende Rolle spielen. Gar nicht so einfach, wie Osram-Chef Berlien am Rande der Technologiemesse sinnierte. Für das im Aufbau befindliche Software- und Elektronikzentrum für Technologien rund ums autonome Fahren suchten seine Personaler gerade Mitarbeiter. Doch, so Vorstandschef Berlien: „Es ist nicht einfach. Gute Leute sind schwer zu finden.“

Scharf gebremst

Auf der diesjährigen Ausgabe der Technikmesse CES positionierte sich der einstige Leuchtmittelspezialist Osram vor allem als Zulieferer für die Automobilindustrie. Im Fokus standen dabei Lösungen insbesondere für selbstfahrende Kraftfahrzeuge. Das Unternehmen demonstrierte unter anderem, wie Systeme mit unsichtbarem Licht die Kommunikation zwischen fahrenden Autos ermöglichen können. Damit wäre es beispielsweise möglich, dass ein Fahrzeug schon dann einen Bremsvorgang registriert und vor allem darauf reagiert, wenn in einem Auto weiter vorne jemand auf die Bremse tritt. Über die sogenannte Car-to-Car-Communication kann das Fahrzeug rechtzeitig die Geschwindigkeit reduzieren und muss nicht in letzter Sekunde scharf abbremsen. Die für diese Technologie grundlegenden LED-Chips stellt Osram vor allem in seinem Regensburger Werk her.

Text: Manfred Wolf, Bild: imago/Sven Simon