„Trau dich!“ in Berlin

Engagement: Initiative gegen Kindesmissbrauch kommt jetzt nach Marzahn.

Pünktlich zum Internationalen Tag der Kinderrechte startete am 20. November im Admiralspalast die neue Berlin-Tour von „Trau dich!“ Die Initiative gegen sexuellen Kindesmissbrauch kommt mit ihrem gleichnamigen Theaterstück am 30. November ins Freizeitforum Marzahn. Vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ins Leben gerufen, will die Kampagne aufklären und sensibilisieren.

Hilfe erfahren

Im vergangenen Jahr wurden 12.019 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern angezeigt, davon 686 in Berlin. Schuldgefühle der Opfer, Angst vor Ablehnung und das Gefühl, nicht gehört zu werden, tragen zu einer hohen Dunkelziffer bei. Dass fast 80 Prozent der Täter aus dem näheren Umfeld kommen, macht es den Kindern noch schwerer, sich zu öffnen und Hilfe erfahren zu können.

„Trau dich“ soll nicht nur über sexuellen Missbrauch und körperliche Selbstbestimmung aufklären, sondern Kinder vor allem stärken. „Wir wollen den Kindern die Worte geben, wenn Ihnen unaussprechliches widerfährt“, so die Parlamentarische Staatssekretärin Caren Marx. Dabei sei die Kooperation vor allem mit Schulen sehr wichtig, denn, müssten als sicherer Ort empfunden werden, an dem jedes Kind Hilfe bekommt. Bundesweit steht den Lehrkräften deshalb Zusatzmaterial zur Vor- und Nachbereitung zur Verfügung, zahlreiche Fortbildungen können besucht werden.

Grenzen setzen

Einen kindgerechten Zugang zu dem sensiblen Thema schafft die Theatergruppe Kompanie Kopfstand, die mit ihrer Vorstellung „Trau dich“ interaktiv aufklärt und ermutigt. Es wird über Gefühle gesprochen, über Grenzen, Vertrauen und was das eigentlich ist. Das Theaterstück ist laut, bunt, durcheinander und fröhlich. Immer wieder werden die Kinder als Experten nach ihren Ideen gefragt. Ernst und Leichtigkeit treffen aufeinander, ohne sich zu vermischen.

Die letzte Szene ist weniger bunt, weniger laut und weniger fröhlich. Alina wird von dem Freund ihrer großen Schwester sexuell missbraucht. Jetzt lacht keiner mehr. Das Thema Geheimnis taucht auf und wann es wichtig ist, Geheimnisse weiterzuerzählen. Die Schauspieler erklären bestimmt und klar, dass es Grenzen gibt, die nicht überschritten werden dürfen und dass es wichtig ist, Menschen zu haben, denen man vertraut. Weil jedes Kind eine Alina sein kann. „Wir müssen das Thema aus der Tabu-Ecke herausbekommen,“ so Bildungssenatorin und Berlins Schirmherrin des Projektes Sandra Scheeres. Mehr Informationen finden Lehrkräfte und Eltern im Internet.

Christina Lopinski, Bild: BZgA/Ausserhofer