Stillstand im Container-Dorf

Im Container-Dorf mit seinen „Tempohomes“ herrscht Stillstand.

Ende November soll die Flüchtlingsunterkunft im Rathaus Wilmersdorf ihre Türen schließen. Ein Moment, auf den viele der hier lebenden Geflüchteten monatelang gewartet haben. Bereits im Sommer taten einige der Bewohner der Flüchtlingsunterkunft ihren Ärger lautstark kund und demonstrierten vor dem Gebäude gegen die Wohnsituation. Von Bettwanzen und nicht abschließbaren Zimmern war die Rede. Der Senat bemühte sich danach um alternative Unterkünfte der Bewohner, die teilweise seit 2015 in den Räumen des ehemaligen Rathauses lebten.

Doch das steht nun auf der Kippe. Eine Vielzahl der mehreren hundert Geflüchteten soll zwar in wenigen Tagen in Gemeinschaftsunterkünften in Steglitz-Zehlendorf unterkommen. Für die 160 Bewohner, die in den sogenannten „Tempohomes“, Containerbauten zwischen der Fritz-Wildung-Straße und dem Stadion Wilmersdorf unterkommen sollen aber, scheint es so schnell keinen Umzug innerhalb des Bezirks zu geben. Für ein Verbleiben in ihrem gewohnten Umfeld setzten sich unter anderem auch die Mitglieder von Freiwillige Helfen im Rathaus Wilmersdorf ein.

So wie hier in der Zossener Straße sollten die Tempohomes auch im Bezirk Wohnraum bieten

Der Zusammenschluss aus Menschen sieht sich in der Verantwortung sichere und respektvolle Unterkünfte für Geflüchtete zu schaffen. Sie sind es auch, die den Zustand der Baustelle des Container-Standortes anprangern und einen Bezug der 160 Bewohner anzweifeln. Der Sprecher der ehrenamtlichen Helfer, Holger Michel, zeigte sich nach einem Rundgang auf dem Gelände ernüchtert: „Seit dem letzten Besuch vor einigen Wochen hatte sich nahezu nichts verändert, wieder einmal war mitten am Tag kein einziger Arbeiter vor Ort.

In nur fünf von circa 100 Containern gibt es Türrahmen und Heizungen, in keinem Container gibt es Strom, weder Eingangsstufen noch die Vordächer existieren, Jalousien fehlen, die Verkleidungen unterhalb der Container fehlen fast überall usw. Das Gelände selbst ist eine offene Erd-Sand-Fläche, kein Zentimeter ist bisher asphaltiert und wenn es erst einmal anfängt zu regnen und zu schneien, wird die dann gebildete Schlammwüste auch nicht mehr zu asphaltieren sein.“

Die Fertigstellung bis zum 30. November sei nach Holger Michels Meinung schlichtweg nicht mehr realistisch. „Wenn weiterhin in diesem Tempo gearbeitet wird sollten wir uns eher auf das Frühjahr, besser auf den Sommer 2018 einrichten. Für die 160 Menschen ist es ein herber Schlag. Für den Bezirk bedeutet es, keinen einzigen Geflüchteten aus den bezirklichen Unterkünften in jenem Bezirk halten zu können, in dem sie integriert sind.“ Seit dem Einzug der geflüchteten Menschen haben sich Ehrenamtliche aus allen Bereichen um ihre Integration bemüht.

Nun befürchten die Mitarbeiter, dass die Bewohner in andere Bezirke umziehen, ihr gewohntes Umfeld in Wilmersdorf verlassen müssen. Zwar sei eine Offenhaltung der Notunterkunft wohl für mehrere weitere Wochen möglich, für einen längeren Zeitraum aber sei dies keine Option: „ Der Senat hat zugesagt, sich für eine verlängerte Offenhaltung der NUK Rathaus Wilmersdorf einzusetzen, wenn sich der Bau in der Fritz-Wildung-Straße um ein paar Wochen verzögert. Wir können sicherlich verhandeln, dass die Notunterkunft Rathaus Wilmersdorf noch ein, noch zwei, vielleicht auch vier Wochen länger geöffnet bleibt, damit die Menschen dann in die Fritz-Wildung-Straße ziehen können. Eine Offenhaltung über einen längeren oder sogar unbestimmten Zeitraum aber ist nicht möglich.“ Wie es mit dem Container-Dorf weitergeht, bleibt weiter offen.

Katja Reichgardt, Bilder: imago/80734513, imago/Christian Mang