Gefangen in Ruhleben

Ausstellung: Schüler erforschen unbekannte Geschichte.

Am 29. November, 18 Uhr, wird die Ausstellung „Das Engländerlager in Ruhleben“ auf der Zitadelle eröffnet. Schüler des Spandauer Carl-Friedrich-von-Siemens-Gymnasiums erforschten gemeinsam mit der Jugendgeschichtswerkstatt Spandau die fast vergessene Geschichte des „Ruhleben Camp“.

Zufällig erwischt

Im Herbst 1914, am 6. November, kurz nach dem Beginn des 1. Weltkrieges, beginnt die Geschichte des Engländerlagers in Ruhleben. Als Reaktion auf die Internierung deutscher Staatsbürger im Vereinigten Königreich seit Beginn des Krieges begannen nun auch die Deutschen, britische Zivilisten in dem Lager, der ehemaligen Trabrennbahn in Ruhleben, heute Klärwerk Ruhleben, zu internieren. Es waren über 4.000 Männer im Alter zwischen 17 und 55 Jahren.

Zu rund 30 Prozent waren es Seeleute der Handelsmarine, die zufällig mit ihren britische Schiffen in Deutschland im Hafen lagen, sowie Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft: Geschäftsmänner, Arbeiter, Akademiker sowie Sportler und Künstler. Einige hatten viele Jahre, manche sogar von Geburt an in Deutschland gelebt und waren aufgrund des Pass- und Staatsbürgerrechts nie Deutsche geworden. Das Lager bestand vier Jahre bis zum Kriegsende im November 1918. Es war das einzige dieser Art in Deutschland.

Große Kooperation

Ein Jahr lang forschten die Schüler in den historischen Materialien, überwiegend in englischer Sprache, und fuhren auch nach Leeds, um im Archiv der dortigen Universität Originaldokumente einzusehen. Diese Ausstellung, gestaltet in deutsch und englisch, ist die erste zum “Ruhleben Camp“ in Berlin, 103 Jahre nach der Einrichtung des Lagers. Das Projekt ist eingebettet in eine große Kooperation mit der Universität in Leeds, dem Stadtgeschichtlichen Museum Spandau, und anderen. Der Besuch zur Eröffnung ist entgeltfrei.

(red)