Vom Regal in die Ausstellung

Museumsdepot baut um – viele Fahrzeuge werden erstmals zu sehen sein.

Aus dem braunen Ford Modell B, den die Mitarbeiter des Depots gerade zum Abtransport ins Technik-Museum bereit machen, strömt ein unangenehm starker Kampfer-Geruch. „Gegen die Motten. In so alten Autos sind so viele Naturstoffe verbaut“, erklärt Depotleiter Dietmar Ruppert. Kurz darauf ist der Oldie verladen und macht sich auf den Weg aus dem Norden Berlins zum Deutschen Technikmuseum. Die Ausstellung, in der er ab dem 6. Dezember zu sehen sein wird, heißt passenderweise „Umgeparkt – Autos aus dem Depot“.

Der Name ist Programm, denn viele Autos, die sonst niemand zu sehen bekommt, müssen vorläufig raus aus den Hallen, in denen sie ansonsten gelagert sind. „Wir brauchen Platz für Umbauten, denn wir müssen an die Regale ran“, sagt Dietmar Ruppert. Tatsächlich stapeln sich unzählige Fahrzeuge, verdeckt unter Planen und Tüchern, auf Regal-Etagen. Vieles davon ist historisch interessant, oft irgendwie direkt mit Berlin verbunden. So wie der Ford, der gerade im Laster verschwunden ist. „Der gehörte einem Fahrlehrer aus dem Norden Berlins, der war ein Fan unseres Museums“, hat Dietmar Ruppert erfahren. Und er sammelte Autos. Drei davon hat er dem Museum vererbt. „Für die Erben wäre da sicher noch einiges Geld zusammengekommen, wenn die sie bekommen und dann verkauft hätten“.

Macken inklusive

Dabei steht der Wert der Fahrzeuge für das Museum eher im Hintergrund. Ihre geschichtliche Bedeutung zählt. Viele sehen deshalb auch nicht gerade aus, wie man es aus Oldtimer-Zeitschriften kennt. Die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen. So auch bei dem Adler 2,5L Autobahn Cabrio, der ein paar Rostflecken und Beulen im Blechkleid trägt. Dieses Auto ist bedeutsam, denn es ist ein Produkt der späten 1930er-Jahre und der Autobahn-Euphorie, stromlinienförmig und mit Bauhaus-Design. Er ist in der Lage, durchgehend Tempo 100 zu fahren. Seine dunkle Seite:  Die Bleche wurden von Ambi Budd in Berlin gepresst. Arthur Müller, Mehrheitseigentümer des Unternehmens, wurde 1933 von den Nazis wegen seiner jüdischen Abstammung enteignet. Der „Adler Autobahn“ ist also gleichzeitig ein Symbol für eine politisch verblendete Epoche.

Nichts für Puristen

Auf andere Art mit Berlins Geschichte verbunden: Ein Hanomag SS20, eine kleine Zugmaschine, die ebenfalls in der Ausstellung gezeigt werden wird. „Die waren nach dem Krieg zum Aufräumen der Trümmer sehr viel im Einsatz“, weiß Depotleiter Ruppert. Was man ihm nicht ansieht – er wurde vor Jahrzehnten, bevor er ins Museum kam, restauriert. Ganz ohne Macken und Rost ist aber kaum eines der Depot-Autos, die in der Ausstellung gezeigt werden. „Die Radkappen am Ford zum Beispiel sind aus den Siebzigern, für Puristen geht sowas gar nicht“, lächelt Dietmar Ruppert. Für ihn und das Museum sehr wohl, denn das gehört zur Vergangenheit des Autos. So wie bei der DKW Schwebeklasse die das Museum kurz nach dem Mauerfall aus einer Scheune gerettet hat. Sie wird bei der Ausstellung so aussehen wie einst in der Scheune.

Wer sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen will, die ansonsten eingelagerten Autos zu sehen, kann das ab dem 6. Dezember bis 31. Juli im Sonderausstellungsbereich des Deutschen Technikmuseums, Ladestraße, tun. Öffnungszeiten und mehr Infos gibt es auf der Museums-Webseite.

Autor und Bild: Oliver Schlappat