Retter brauchen selber Hilfe

Viel zu alte Autos erschweren die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr.

Die 40 Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr in Hohenschönhausen hatten nicht nur in diesem Jahr eine Menge zu tun, um bei rund 600 Einsätzen Menschen zu schützen  und Schäden zu vermeiden. Bei den Sturmtiefs Xavier und Herwart half ihr schweres Gerät, die Straßen freizuhalten, Unfälle zu vermeiden und Leben zu retten. Probleme und Katastrophen gehören zum Alltag der Frauen und Männer, die mit ihrem ehrenamtlichen Engagement sogar ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen.

Gutes Werkzeug und geeignete Fahrzeuge dürften dafür das Selbstverständlichste sein, was man ihnen zur Verfügung stellt. Das ist aber nicht die Regel. „Die Fahrzeuge sind veraltet und reparaturanfällig. Wartungen oder Ausbesserungen dauern oft Tage und Wochen“, sagt Sascha Guzy, Sprecher der Berliner Feuerwehren. Im jüngsten Beispiel war die Feuerwache Falkenberg sogar plötzlich ganz ohne Auto. „Unser Löschfahrzeug musste mehrere Tage in die Reparatur. Eine Kabinentür konnte nicht mehr verriegelt werden und sprang während der Fahrt auf“, erläutert ein Kamerad dieser Feuerwache.

Wichtiges LHF

„57 Freiwillige Feuerwehren gibt es in Berlin. Neben anderen Fahrzeugen ist das sogenannte Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeug, LHF, das wichtigste Auto eines jeden einzelnen Fuhrparks. Es wird bei Brandbekämpfungen, Technischen Hilfeleistungen und Rettungsdiensten eingesetzt“, sagt Guzy. Ein Großteil dieser 66 Fahrzeuge die den Freiwilligen Feuerwehren in ganz Berlin zur Verfügung stehen, sind überaltert und müssten dringend durch neue, moderne  Fahrzeuge ersetzt werden.

Kaum Ersatz

„Gerade mal ein neues LHF sollen die Berliner Feuerwehren im kommenden Jahr zur Verfügung gestellt bekommen“, erläutert Guzy, der sich mindestens zehn solcher Fahrzeuge für die Berliner Wachen wünscht. „Wer rettet denn wieder Berlin bei Unwetter oder jedes Jahr zu Silvester?! Die Freiwilligen Feuerwehren“, lautet sein Argument mit der er die Forderung für jeweils weitere zehn Fahrzeuge auch in den Folgejahren belegt. 500.000 Euro kostet jedes dieser LHF´s und die Beschaffung dauert von der Ausschreibung bis zur Schlüsselübergabe bis zu einem Jahr.

Politische Unterstützung

Eine Forderung, die auch der Hohenschönhausener Abgeordnete Danny Freymark (CDU) bestätigt. „Für ganz Berlin 30 Stück, um die Bedarfe der Gegenwart zu decken müssten her. Die Rot-Rot-Grüne Koalition ist jetzt in der Pflicht die entsprechenden Mittel für die Anschaffung bereitzustellen. Die Sicherheit der Menschen in unserer Stadt, aber auch die der vielen freiwilligen Kameraden der Feuerwehr dürfen wir nicht dem Zufall überlassen“, sagt der Abgeordnete aus Hohenschönhausen.

Späte Investitionen

Das Problem sei bekannt, bestätigte eine Sprecherin bei der Senatsverwaltung für Inneres dem Berliner Abendblatt. Mit dem Doppelhaushalt 2018/2019 würden für den Bereich der Berufsfeuerwehr insgesamt 94 neue Fahrzeuge beschafft werden. Davon würden indirekt auch die Freiwillige Feuerwehren profitieren, die die von der Berufsfeuerwehr nicht mehr genutzten Fahrzeuge übernehmen. Weiterhin plane der Senat mit zusätzlichen Mittel aus dem Topf der Mittel für wachsende Infrastruktur weitere Fahrzeugbeschaffungen zu beantragen. Ein Plan, der bald umgesetzt werden sollte, damit auch die Hohenschönhausener Kameraden beim nächsten Katastrophenfall wieder mit einem  funktionierenden und sicheren Auto zum rettenden Einsatz mit Blaulicht ausrücken  können.

Stefan Bartylla, Biild: Imago / Seeliger