Vom Gärtnerhaus zur Begegnungsstätte

Im Volkspark Wilmersdorf entsteht ein „Haus der Nachbarschaft“.

Etwas versteckt, unweit des Minigolfplatzes, steht die ehemalige Revierunterkunft im Volkspark Wilmersdorf. Monatelang wurde über ein neues Nutzungskonzept des Gebäudes diskutiert, nun steht es fest. Ab kommenden Jahr übernimmt der neue Träger „Nachbarschafft e.V.“, der sich aus dem Kreis der Freiwilligen in der seit August 2015 bestehenden Notunterkunft am Fehrbelliner Platz gegründet hat, das alte Gärtnerhaus.

Der Verein erhielt kürzlich den Zuschlag für die Gestaltung eines neuen Nutzungskonzeptes sowie 90.000 Euro aus dem Integrationsfonds des Bezirks. Und ihr Ziel ist klar: Das „Haus der Nachbarschaft“ soll eine Ort des Miteinanders werden, ein Nachbarschaftszentrum mit Integrationsschwerpunkt. Geflüchtete Menschen sollen hier aktiv mitarbeiten und wirken können. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Kooperation mit dem 1. FC Wilmersdorf, der mit Sportangeboten lockt. Daneben sollen aber auch ein Begegnungscafé, ein Werkstattbereich sowie ein Nutzgarten entstehen.

Gemeinsam helfen

So oder so ähnlich könnte es auch bald im Gärtnerhaus aussehen

Außerdem sind Angebote im Bereich der Hausaufgabenhilfe, der Mieter-, Sozial- und Rechtsberatung sowie der psychosozialen Hilfe geplant. Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann zeigt sich begeistert über die Vergabe an den sozialen Träger: „Mit dem Beschluss haben wir die Weichen gestellt, um das Haus zu einem Begegnungszentrum umzugestalten, in dem Vielfalt aktiv gelebt wird.“ Auch der Verein „Nachbarschafft e.V.“ ist glücklich, dass es nun eine Möglichkeit gibt das soziale Engagement aus der Notunterkunft am Fehrbelliner Platz weiterzuführen. Diese schließt zum Ende des Jahres. „Wir wollen unsere über Jahre gewonnene Expertise nutzen, um den Kiez weiter zu öffnen.

Die Revierunterkunft soll eine „Tauschbörse der Kompetenzen“ werden, in der Anbietende und Angebotsnutzer voneinander profitieren. Wir alle können noch viel voneinander lernen – und zwar über scheinbare Milieugrenzen, migrantische und nicht-migrantische Communities und Generationen hinweg“, so der Sprecher des Vereins, Holger Michel. Zunächst aber steht ein Umbau des Gärtnerhauses an. Bereits während der Umbauphase im ersten Quartal des kommenden Jahres sei eine Zwischennutzung aber möglich, heißt es von Seiten des Bezirksamtes. Bis Mitte 2018 sollen dann die ersten der angestrebten Angebote realisiert werden. Die Sanierung wird durch die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen mit insgesamt 270.000 Euro unterstützt. Dann sind hier auch Workshops und Theateraufführungen denkbar.

Zukunft gestalten

Der Integrationsbeauftragte Leon Friedel sieht das Projekt ebenfalls als große Bereicherung für den gesamten Bezirk: „Neben dem Begegnungszentrum „Ulme 35“ im Westend haben wir mit der Revierunterkunft jetzt auch ein sozialräumliches Integrationsangebot in Wilmersdorf geschaffen. In vielen Gesprächen wurde der Wunsch von den Ehrenamtlichen geäußert, ihre Erfahrungen weitergeben und der gesamten Gesellschaft zugute kommen lassen zu können.“ Das wird dann auch ab dem kommenden Jahr im neuen “Haus der Nachbarschaft“ der Fall sein.

Katja Reichgardt, Bilder: imago/Rolf Kremming/79330697, Imago/Rainer Unkel/59753300