Eine Straße im Ausnahmezustand

Wie eine Dauerbaustelle in der Jonasstraße die Geduld der Anwohner und der Café-Betreiberin Antje Menz auf die Probe stellt.

Hinter Baggern, Steinen und Baumaterial kann man das gemütliche Café in der Jonasstraße schon mal übersehen. Von weitem deuten nur eine Markise und die mit Teelichtern bestückten Tische darauf hin, dass sich hier eines der wohl schönsten Kiez-Cafés Moabits befindet. Dabei können sich Inhaberin und Konditorin Antje Menz und ihr Team nicht gerade über zu wenige Gäste beklagen. Seitdem die heute 30-jährige ihr Café „Natürlicher Lebensraum“ im Dezember 2012 eröffnet hat, wuchs die Beliebtheit des kleinen Cafés mit Wohnzimmeratmosphäre stetig. Vor allem in den letzten zwei Jahren kamen immer mehr Menschen aus dem Kiez und ganz Berlin, um sonntags entspannt zu brunchen oder sich durch die große Auswahl an selbstgemachten Kuchen zu probieren.

Der selbstgemachte Kuchen lockt viele Gäste in das Café von Antje Menz

Die geplante Erweiterung in die Wohnung nebenan aber gerät nun ins Wanken. Schuld ist die Baustelle, die seit Monaten Straße und Bürgersteig vor dem Café unbegehbar machen. Eigentlich als Maßnahme zur Aufwertung des Kiezes rund um die beliebte Arminiusmarkthalle gedacht, als Verbindungselement zwischen Händlern, Gewerbetreibenden und Nachbarn, bewirkt die Dauerbaustelle eher das Gegenteil. Anwohner klagten schon im Sommer über Lärm und Dreck, Besucher und Gäste der umliegenden Läden über den Parkplatzmangel, der durch die Straßensperrung entsteht.

Schlecht fürs Geschäft

Antje Menz verhagelten die Bauarbeiten das Sommergeschäft. Kam es zu Beginn der Bauarbeiten im März noch zu weniger Komplikationen, fehlte während der für ihr Café so wichtigen Sommermonate schlicht der Platz, um auf der Terrasse Tische und Stühle aufzustellen. „Dadurch, dass es um uns herum keine hohen Gebäude, sondern nur die Arminiusmarkthalle gibt, können unsere Gäste im Sommer normalerweise bis 18 Uhr auf unserer Terrasse die Sonne genießen.“ Ein Vorzug, der in diesem Jahr nicht wirklich genutzt werden konnte. Stattdessen wurde der Bürgersteig vorm Café aufgerissen, die Baustelle noch vergrößert.

Antje Menz und ihr Team versuchen das Beste aus der Situation zu machen: Wie hier mit einem Baustellen-Fotoshooting

Heute ist die Terassenfläche zwar neu, der Blick auf die Dauerbaustelle vor ihrem Café aber ist für Antje Menz und ihre sieben Aushilfen längst zum Alltag geworden. Das Schlimmste: Die Arbeiten sollten eigentlich im Juni beendet werden, seit Wochen tut sich auf dem Abschnitt in der Jonasstraße nichts mehr. Die Baufirma schiebt die Schuld auf das Tiefbauamt, das sieht die Verantwortung wiederum bei den einzelnen Versorgern. Ein Ende der Baustelle ist noch nicht in Sicht. Für Antje Menz ist die Verzögerung mittlerweile mehr als nur ein Ärgernis.

Crowdfunding-Aktion

Durch den verlustreichen Sommer liegen ihre Erweiterungspläne in der bereits gemieteten Wohnung nebenan zurzeit auf Eis. „Ich fühle mich durch die Situation gerade richtig ausgebremst. Ich habe viele Ideen für die Erweiterung und will das Café nicht nur für mich, sondern auch für mein tolles Team, das mir immer den Rücken stärkt, unsere Gäste und alle die sich hier wohlfühlen, weiterführen. Geld ist dabei nicht der Anreiz. Ich möchte einfach jeden Tag erfüllt sein, von dem was ich mache.“

Stammgäste springen bereits mit Privatdarlehen ein. Um ihren Traum vom eigenen Café weiter leben zu können, startete Menz zudem eine Crowdfunding-Kampagne, die noch bis zum 19. November läuft. Hier bietet die Konditorin, die unter anderem im Hilton und im Adlon gelernt hat, unter anderem Backkurse und Gutscheine an, um die Summe von 15.000 zu erreichen.

Wer Antje Menz unterstützen möchte, kann an ihrer Crowdfunding-Kampagne teilnehmen.

Katja Reichgardt, Bilder: Katja Reichgardt & Antje Menz