Kaum Chancen für das Strandbad

Verfüllte Rohre sorgen für hohe Kosten und verschrecken Investoren.

Das endgültige Aus für das Tegeler Strandbad scheint besiegelt. Nachdem schon in diesem Sommer das Bad aufgrund fehlender Umweltstandards geschlossen bleiben musste, sinkt die Hoffnung auch für die kommenden Jahre gen Nullpunkt. Die bereits seit Jahrzehnten eingesetzten Abwasserleitungen entsprechen nicht mehr den für das Tegeler Wasserschutzgebiet notwendigen Standards und müssten erneuert werden. „Der Senat hat die Berliner Bäderbetriebe angewiesen, die bislang noch als „sanierungsbedürftig“ beschriebenen Abwasserrohre des Strandbades Tegel nun vollständig außer Betrieb zu setzen und für eine weitere Benutzung unbrauchbar zu machen“, erklärte der Reinickendorfer CDU-Abgeordnete Stephan Schmidt in einer Pressemitteilung.

„Strandbad und Gastronomie sind damit völlig ohne Abwasseranschluss. Die durchaus bestehenden Chancen, einen privaten Betreiber zu finden, werden damit zerstört. Es geht für einen Investor nun nämlich nicht mehr nur um die Sanierung einer bestehenden Leitung, sondern um einen kompletten Neuanschluss und das weitab vom nächsten Siedlungsgebiet.“ Eine Einschätzung, die auch Reinickendorfs Bürgermeister Frank Balzer (CDU) teilt: „Das Bezirksamt ist von den Bäderbetrieben über die geplante Maßnahme informiert worden, zu der die Senatsverwaltung die Berliner Bäderbetriebe aufgefordert hat. Wann konkret die Verfüllung vorgenommen werden soll, ist dem Bezirksamt dazu nicht bekannt.“

Abschreckung vorprogrammiert

Auch im kommenden Jahr wird es am Sandstrand in Tegel wohl einsam bleiben

Auch Balzer weiß um die jetzt noch schwerere Suche nach einem Investor. „Wenn ein potenzieller Interessent von vornherein weiß, dass durch diese Maßnahme zusätzliche Investitionskosten auf ihn zu kommen, darf es niemanden verwundern, wenn er einen Rückzieher macht“, so der Bürgermeister. „Ich hätte es besser gefunden, wenn man geeignete Sanierungsmöglichkeiten gesucht hätte, um das Strandbad wieder ans Netz zu bringen“, sagt Blazer und stellt klar, “Ich bleibe dabei: das Strandbad Tegel ist für den Berliner Norden, unter anderem mit Blick auf die wachsende Stadt, ein wichtiger Bestandteil der Infrastruktur. Alle, vor allem Familien brauchen Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten.“

Prüfung angeregt

Die Bäderbetriebe selbst schätzen den Sachverhalt weniger dramatisch ein. „Aus unserer Sicht wird mit dieser Maßnahme die Vergabe an einen privaten Betreiber nicht unbedingt erschwert, denn die Rohre müssten ohnehin komplett ersetzt und damit aus dem Boden herausgeholt werden“, so Bädersprecher Oloew und ergänzt, „daher ist es nicht wesentlich erheblich, ob die Rohre mit Beton gefüllt sind oder nicht. Die Berliner Bäder-Betriebe hatten dennoch angeregt zu prüfen, ob nicht eine Stilllegung und damit nachweisliche Trockenlegung des Rohrsystems ausreicht, um die Auflagen der Umweltverwaltung zu erfüllen und eine Verfüllung der Rohre zu vermeiden.“ Weitere Details im Kampf um den Erhalt des Strandbades folgen nun auf der nächsten BVV Sitzung am 11. Oktober.

Stefan Bartylla, Bilder: Imago /Olaf Krähn, Imago / Götz Schleser