Leben braucht lebendige Erinnerung

Friedhof „In den Kisseln“ hat Memoriam-Garten bekommen.

Der neue Memoriam-Garten auf dem Friedhof „In den Kisseln“ wurde Anfang September offiziell seiner Bestimmung übergeben. Auf rund 1.500 Quadratmetern präsentiert die Friedhofsgärtnerei des Evangelischen Johannesstifts den neuen Memoriam-Garten als blühende Parklandschaft in deren Zentrum ein Denkmal mit Wasserlauf steht. Der Memoriam-Garten befindet sich in exponierter Lage direkt hinter der Feierhalle. Es ist der erste Memoriam-Garten auf diesem Friedhof und im Bezirk Spandau.

Neue Form der Bestattung

Das Konzept des Memoriam-Gartens ist eine neue Form der Bestattungskultur ohne starr abgegrenzte einzelne Grabstätten. Es ist ein grüner und blühender Garten, in dessen Atmosphäre Trauernde und Besucher den Friedhof auch als einen Ort des Lebens neu entdecken können. Hier soll nicht nur Platz für Trauer sein, sondern der Friedhof soll erstmals auch als Raum für Erinnerung, Entspannung und Kommunikation fungieren. Gräber, Denkmale und Bepflanzung bilden eine harmonische Einheit. Memoriam-Gärten sind barrierefrei und den Besuchern stehen Bänke zur Verfügung.

Niemals anonym

Memoriam-Gärten sollen den Friedhof zum einem Ort der Entspannung machen

Mit der neuen friedhofsgärtnerischen Architektur geht auch ein neues Pflegemodell einher. Den Hinterbliebenen wird sowohl für Sargbestattungen als auch für Urnenbeisetzungen ein Komplettangebot für Grabstein und Grabpflege geboten. Die vertragliche Abwicklung als Treuhänder und die Kontrolle der Leistungen übernimmt die Friedhof Treuhand Berlin. „Das Konzept des Memoriam-Gartens ist eine preiswerte Alternative zur anonymen Beisetzung. Jeder Verstorbene wird auf den Grabmalen mit Namen und Lebensdaten genannt. Eine anonyme, namenlose Bestattung gibt es nicht, denn Leben braucht Erinnerung“, erläutert Oliver Siegmund, Geschäftsführer der Friedhof Treuhand Berlin Dauergrabpflegegesellschaft mbH die Idee.

„Wir haben hier ein modernes Angebot geschaffen, das den Zeitgeist trifft, den Friedhof aufwertet und damit zu einem Imagegewinn führt“, so Siegmund weiter. Das habe auch viele Vorteile für die Friedhofsverwaltungen selbst. Dieser bekomme eine hochwertige gärtnerische Gestaltung. Neben der organisatorischen und finanziellen Entlastung der Friedhofsverwaltung liegen Verantwortung und Risiko weiterhin bei den Gewerken. Dennoch verbleiben hoheitliche Rechte bei der Verwaltung. Insgesamt werde damit ein Beitrag zu einer vielfältigen Friedhofsentwicklung geleistet, die Angebotspalette erweitert und erstmals eine Antwort auf friedhofsferne Bestattungsarten gegeben, erläutert der studierte Landschaftsplaner. Kosten für den Friedhofsträger würden dabei nicht anfallen.

Bereits vertreten

Nach dem Friedhof Bergstraße (2010) und dem Friedhof Onkel-Tom-Straße (2011, Erweiterung 2013), wurde im Herbst 2015 der neue Memoriam-Garten in Ruhleben fertiggestellt. In diesem Jahr wurde bereits im Juni der zweite Memoriam-Garten auf dem Friedhof Onkel-Tom-Straße (Zehlendorf) und im August der zweite Memoriam-Garten auf dem Friedhof Bergstraße (Steglitz) eröffnet. Ein weiterer Memoriam-Garten befindet sich aktuell auf dem Waldfriedhof Zehlendorf, Potsdamer Chaussee.

Red.