Jetzt Kunst im Bärenzwinger

Künstler wollen die bewegte Geschichte des Geheges im Köllnischen Park erfahrbar machen.

Seit dem Tod von Bärin Schnute vor rund zwei Jahren war es still im Bärenzwinger im Köllnischen Park. Sie sollte die letzte ihrer Art sein, die dort lebt. Nun ist eine ganz andere Art von Leben eingekehrt in diesen geschichtsträchtigen Ort, Künstler haben es ihm eingehaucht. „Ursus Olfaciens“ heißt die erste Ausstellung, weitere sollen folgen.

Szenarien entwickeln

Wo einst Schnute lebte, gibt es jetzt Ausstellungen

Schon vor vielen Jahren war klar, dass die Nutzung als Bärengehege wegen Tierschutz-Bedenken nicht weitergehen kann. Die Bezirksvertreterversammlung hatte deshalb früh darüber nachgedacht, das Gebäude kulturell zu nutzen. Diese Aufgabe übernehmen nun die wissenschaftlichen Volontäre des Fachbereichs Kunst und Kultur des Bezirksamts Mitte, die sich nun zwei Jahre lang mit einer Auseinandersetzung mit der Vergangenheit des Zwingers, seiner Architektur und Stellung in seiner Umgebung befassen. Außerdem sollen sie Szenarien für die Zukunft des Bärenzwingers entwickeln. Finanziert wird das alles aus Fördertöpfen der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

Verwandelter Ort

Die erste Ausstellung befasst sich unter anderem mit den vor Ort erfahrbaren Spuren der Vergangenheit. Eine davon: der Geruch, den die Bären hinterlassen haben. Die Künstlerin Sarah Ancelle Schönefeld hat die Räume in eine Art Sauna verwandelt, beheizt sie, öffnet sozusagen die Poren des Gebäudes. Im Gegensatz dazu taucht der zweite Künstler der Ausstellung, Reto Pulfer, das Innere des Zwingers mit einer textilen Installation in grün-blaues Licht und lenkt damit den Blick ins Innere der Käfige und Wärterräume.

Typischer Geruch

Klingt etwas abgehoben? Ist es aber gar nicht: Die Künstler entwickeln ihre Ideen vor Ort, besprechen ihre Konzepte miteinander und erarbeiten dann eine Ausstellung, die neben der Kunst die Erfahrbarkeit des Ortes in den Mittelpunkt stellt. Denn genau darauf kommt es an: Einen so besonderen Ort auf eine Weise erfahrbar zu machen, der zu Zeiten, in denen der Zwinger noch von den Wappentieren der Stadt bewohnt war, unmöglich gewesen wäre. Die Betonung der Räumlichkeiten mit Textil und Licht sowie das Hervorheben des typischen Geruchs helfen dabei, dieses Erlebnis plastischer und greifbarer zu machen,

Nicht barrierefrei

Die aktuelle Ausstellung läuft noch bis zum 29. Oktober und ist täglich von 12 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei, allerdings ist das Gebäude noch nicht barrierefrei erreichbar. Am 29. Oktober um 16 Uhr wird es außerdem noch eine Performance mit dem Titel „Fountain of Liver Tea“ geben. Weitere Ausstellungen sind bereits in Vorbereitung. Weitere Infos: www.baerenzwinger.berlin

Oliver Schlappat, Bild: Tobias Willmann