Ist das Kunst oder soll das weg?

Farbenfrohe Fassadengestaltung sorgt weiterhin für Streitereien.

Wer schon einmal über den Stuttgarter Platz gelaufen oder in der S-Bahn entlang gefahren ist, dem dürfte die farbenfrohe Fassade samt Schriftzug des „Happy go Lucky“-Hostels bereits aufgefallen sein. Seit einigen Monaten lockt das, von Alexander Skora im Jahr 2012 übernommene Backpacker-Hostel, mit bunten Wand-Malereien und Smileys. Doch genau diese Fassadengestaltung scheint das Ordnungsamt zu stören. Es fordert eine Umgestaltung der Fassade, zumindest aber die Entfernung der Beschriftung, die schon aus der Ferne auf das Hostel hinweist.

Schon 2012 gab es Streitigkeiten ob der eigenwilligen Wandgestaltung. Damals ließ Skora das Gebäude orange streichen und die noch heute sichtbaren Smileys sowie den neuen Namen des Hostels aufmalen. Das Ordnungsamt aber sah in dem Schriftzug eine im Bezirk nicht erlaubte und in diesem Fall nicht genehmigte Werbung und ordnete eine Umgestaltung an. Trotz Widerspruchs Skoras vor Gericht musste er die Neugestaltung vornehmen.

Bunte Fassade

Soll eigentlich für gute Laune sorgen: Das Hostel am Stuttgarter Platz

So kam es zur aktuellen, noch bunteren Gestaltung, für die sich übrigens der irische Künstler Dom Browne verantwortlich zeichnet. Aus dem Namen wurde eine „Happy go Lucky Hearts“-Schriftzug. Für Stadtrat Marc Schulze keine Lösung des Problems, die Fassade erfülle nach wie vor vorrangig Werbezwecke. Für Schriftzüge dieser Art brauche man im Bezirk nun einmal entsprechende Genehmigungen. Alexander Skora sieht das anders. Er verweist darauf, dass Hotels in der ganzen Welt mit ihrem Namen auf Fassaden und Wänden werben würden.

Sein Anwalt legte dann auch bereits im vergangenen Jahr Widerspruch ein. Schließlich kam es fast zu einer Einigung zwischen Skora und dem Baustadtrat Oliver Schruoffeneger. Das Bezirksamt schlug vor alle paar Jahre Gutachter kommen zu lassen, die die Pflege der Fassade prüfen sollten. Skora wollte die Kosten dafür aber nicht übernehmen und erhoffte sich finanzielle Unterstützung vom Amt. Außerdem wollte er sich die Möglichkeit offenhalten, die Außenfassade weiterhin verändern zu dürfen.

Unstimmigkeiten

Diesen beiden Forderungen stimmte das Bezirksamt nicht zu. Das hat nun erneut Klage eingereicht und hofft auf eine vollständige Beseitigung der Fassadenbemalung. Alexander Skora reagierte mit einer Abstimmung auf der Webseite des Hostels. Hier haben nun alle Befürworter des bunten Hauses am Stuttgarter Platz Gelegenheit gemeinsam mit Skora für den Erhalt der Fassade zu kämpfen. Und das haben bereits knapp 2.000 Besucher getan.

Alexander Skora hofft sogar auf weit mehr Stimmen für seine farbenfrohe Wandgestaltung: „Ich rechne in den nächsten Wochen mit Millionen Unterstützern.“ Vom Widerstand des Bezirksamtes will er sich nach wie vor nicht bremsen lassen: „Das Bezirksamt führt sich auf wie eine Zensurbehörde eines totalitären Staates und erinnert an Repressalien gegen Künstler in Staaten wie Nordkorea,
China oder Russland.“

Kr/Red, Bilder: imago/73997521, imago/74430370