Eine Stimme für die stillen Helfer

Ausstellung stellt ehrenamtliche Helfer jenseits der 70 vor.

Ehrenamtler mögen das Wort „Ehrenamt“ oft nicht besonders. Was sie tun, das tun sie nicht der Ehre wegen. Sie suchen die Anerkennung nicht – was aber nicht heißt, dass sie diese nicht verdienen würden. So wie zum Beispiel Sabine Spieß, die seit gut acht Jahren Familien dabei hilft, Baby-Stress zu bewältigen. Ihre Geschichte wird neben der von 19 anderen Ehrenamtlern über 70 in einer Ausstellung mit dem Titel „Alterscoolness 70+“ erzählt, die zurzeit im Rathaus Schöneberg zu sehen ist.

Das Ehrenamt habe ein gewisses „Guerilla-Potenzial“, sagte der Historiker und Autor Tillmann Bendikowski bei der Eröffnung der Ausstellung am 15. September. Damit meinte er keineswegs etwas Feindliches, sondern die Tatsache, dass Menschen, die sich engagieren, sich selten sagen lassen, wo und wie sie das tun sollen. Menschen im Rentenalter sind ehrenamtlich besonders aktiv, jeder dritte sucht sich eine Aufgabe. Die Ausstellung porträtiert solche Menschen. Zum Beispiel den Palästinenser, der in einem Nachbarschaftszentrum Flüchtlingskinder betreut; den Ex-Polizisten, der als Singpate für Kinder unterwegs ist. Oder eben die ehemalige Lehrerin Sabine Spieß, die sich heute um Familien kümmert, denen das soziale Netzwerk fehlt, um mit der zusätzlichen Belastung durch ein Neugeborenes zurecht zu kommen.

Sabine Spieß hilft Familien mit Babys

Als sie vor zehn Jahren in den Ruhestand ging, entdeckte sie die Organisation „Wellcome“ und fasste den Beschluss, sich dort zu engagieren – sie habe noch einmal etwas Schönes machen wollen und könne mit Kindern gut umgehen. Seit mehr als acht Jahren ist sie dort nun ehrenamtlich aktiv und kümmert sich vor allem um Eltern mit Zwillingen und Drillingen, besucht sie zweimal pro Woche für einige Stunden, betreut die Kinder und unternimmt etwas mit ihnen, damit die Eltern sich um wichtige andere Dinge kümmern können. Dass sie sich um Familien mit Babys kümmert, erklärt sie sich mit ihrer beruflichen Vergangenheit. Als Lehrerin habe sie viele vernachlässigte Kinder gesehen. Man müsse klein anfangen, damit es Kindern gut geht.

So unterschiedlich die Aufgaben der 20 vorgestellten Ehrenamtler sind, so verschieden sind auch ihre Motivationen. Was sie eint, ist eine durch ihre Lebenserfahrung erklärbare Ausgeglichenheit und Besonnenheit. Etwas, das die Organisatoren der Ausstellung, Synopsisfilm aus Schöneberg, mit dem Wort „Alterscoolness“ gut zusammenfassen. Die Ausstellung ist im Rathaus Schöneberg noch bis zum 15. Oktober in der Galerie im 1. Stock zu sehen.

Oliver Schlappat, Bilder: Thinkstock/weerapatkiatdumron, Oliver Schlappat