Auf Oeynhausen rollen die Bagger

Bauen Groth-Gruppe investiert 400 Millionen Euro in neues Wohnprojekt in Schmargendorf.

„Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Kleingärten“ – ein fast zugewachsenes Protestschild in einer Hecke der Kleingartenkolonie Oeynhausen an der Schmargendorfer Forckenbeckstraße. Viele haben geschaut. Es hagelte Eingaben und Proteste gegen den Abriss der über 300 Parzellen zugunsten einer Wohnbebauung. Gerichte waren damit beschäftigt.

Nach einem erfolgreichen Bürgerentscheid vor drei Jahren schienen die Gärten zunächst gerettet. Doch dann genehmigte das damalige Bezirksamt das Bauprojekt, weil es andernfalls Schadenersatzforderungen des Investors in zweistelliger Millionenhöhe befürchtete. Das Aus für die Kleingärten war besiegelt; ab Januar 2016 verschwanden Lauben und Grün. Allerdings nicht alle: Nach einem Kompromiss mit dem Bezirk muss nur die Hälfte weichen; 150 Gärten bleiben; ein Teilerfolg der Oeynhausener.

Jetzt haben die Bagger am südlichen Ende der Brache mit dem Aushub für die Wohnhäuser des „Maximilians-Quartiers“ begonnen. Es ist das größte aktuelle Bauprojekt in der westlichen Innenstadt. Die Groth-Gruppe errichtet auf knapp fünf Hektar ihres mehr als acht Hektar großen Areals 973 Wohnungen, investiert rund 400 Millionen Euro. Seniorchef Klaus Groth zeigte sich zum Baustart erleichtert: „Das jahrelange Gezerre ist endlich vorbei. Wir stehen zum Kompromiss, bebauen nur die Hälfte unseres Grundstücks.“

„Wir spekulieren nicht. Wenn wir kaufen und Baurecht haben, beginnen wir auch zügig mit dem Bauen.“

Sein Unternehmen hatte das ehemalige Post-Gelände im November 2015 von der luxemburgischen Lorac-Gruppe gekauft. Diese – eine Tochter des „Heuschrecken“-US-Investors Lone Star – erwarb es 2008 für 600.000 Euro. Ein Schnäppchen, das dann sieben Jahre später profitbringend für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag an die Groth-Gruppe ging. Klaus Groth: „Wir spekulieren nicht. Wenn wir kaufen und Baurecht haben, beginnen wir auch zügig mit dem Bauen.“ Durchaus ein Segen für Berlin, denn allzu oft liegen potenzielle Baugrundstücke jahrelang brach, weil die Eigentümer auf höhere Preise spekulieren.

„Maximilians-Quartier“ – der Name ist Programm. Er erinnert an den liberalen Freidenker und Politiker Maximilian Franz August von Forckenbeck, Reichstagspräsident und von 1878 bis 1892 Berlins Oberbürgermeister und zuvor Oberbürgermeister von Breslau. Umsichtig und sparsam tat er viel für die explosionsartig wachsende Metropole. Ein erfolgreicher Querdenker zwischen allen Stühlen seiner Zeit. „Ein leider vergessenes Vorbild, das – wie wir – die Vielfalt in der Einheit suchte“, sagt Klaus Groth.

Individuell und doch komplex – nach diesem Credo entsteht auch das neue Wohnquartier: In einem architektonischen Workshopverfahren gemeinsam mit dem Bezirksamt waren vier Architekturbüros mit der Gestaltung der vier Quartiersteile beauftragt. Resultat sind 472 Eigentums- und 501 Mietwohnungen, darunter 65 Sozialwohnungen. Die Käufer müssen ab 4.700 Euro pro Quadratmeter berappen; die freifinanzierten gibt es ab 13 Euro, die mietpreisgebundenen zwischen 6,50 bis acht Euro je Quadratmeter.

Weiterhin entstehen eine Kita, ein Stadtplatz, 526 Tiefgaragen-Plätze; in benachbarten Schulen finanziert Klaus Groth 28 neue Grundschulplätze. Die 220 Eigentumswohnungen des Blocks D, dessen Aushub gerade begann, sollen Ende 2019 fertig sein; alle weiteren bis 2021. Zweifelsohne eine neue und grüne Wohlfühloase zwischen Ku’damm und Grunewald.

Jürgen Zweigert, Bild: Groth-Gruppe