Musikalischer Mutmacher

Jazzmusiker laden zu Solidaritätskonzerten für Peter Steudtner.

Jeden Abend um 18 Uhr läuten die Glocken der evangelischen Gethsemanekirche in der Stargarder Straße 77 zum Abendgebet. Seit Anfang Juli ist das Abendgeläut aber auch ein Zeichen für die Gemeinde zusammenzukommen und einer besonderen Person aus ihrer Mitte Kraft zu senden. Seit dem 5. Juli befindet sich Peter Steudtner, Fotograf, Menschenrechtler und aktives Mitglied in der Kirchengemeinde bereits wegen angeblichen Terrorverdachts in türkischer Haft – rund 1.750 Kilometer von seinem Kiez in Prenzlauer Berg entfernt. In Istanbul wollte er eigentlich nur an einem Seminar von Amnesty International teilnehmen. Nicht ungewöhnlich für den Menschenrechtsaktivisten, der unter anderem bereits in Mosambik, Palästina und anderen Krisengebieten mit anpackte, traumatisierten Kindern und Jugendlichen half. Am zweiten Tag des Workshops aber wurde sein Hotel gestürmt, er und acht weitere Teilnehmer inhaftiert. Einer seiner langjährigen Weggefährten ist der Jazzpianist und Bandleader Albrecht Gündel-vom Hofe.

Jazz zum Mut machen: Am 30. September in Prenzlauer Berg

Musikalische Solidarität

Bereits kurz nachdem die Inhaftierung Peter Steudtners bekannt wurde, entschied er sich spontan einen seiner Auftritte zum Solidaritätskonzert für seinen Freund umzuwidmen. Die Einnahmen aus diesem ersten von mehreren Benefizkonzerten gingen an die Familie Steudtners. Am 30. September kommen Albrecht Gündel-vom Hofe und sein Sextett nun für ein besonders Soli-Jazzkonzert in die Gethsemanekirche. Gündel-vom Hofe will mit diesem „Concert of Sacred Jazz for Peter Steudtner“ nicht nur an die Lage seines Freundes erinnern, sondern ihm auch Mut machen. „Ich weiß zwar nicht wie viel Peter von diesen Konzerten mitbekommt, aber wir möchten ein persönliches Statement setzen. Mit Musik kann man auf eine ganz andere Art auf Dinge aufmerksam machen, als mit politischen Stellungnahmen.“ Mit befreundeten Musikern werden an dem Abend eigene Jazzarrangements vorgetragen und mit, auf eine große Leinwand projizierten, Bildern an das Schicksal des leidenschaftlichen Fotografen gedacht. Als dieser lichtete Steudtner auch immer wieder Albrecht Gündel-vom Hofe ab, lieferte außerdem die Bilder für die Booklets seiner CDs „What a friend – Songs from my Grandma“s Hymn Book“ und  „Confessiones – Hymns and Songs from the Protestant Tradition“. Bereits am 23. September kommt der Jazzmusiker in die evangelische Johann-Sebastian-Bach-Kirchengemeinde Berlin-Lichterfelde, in der Peter Steudtner ebenfalls viele Jahre aktiv war. Eine Woche später sind dann alle Interessierten eingeladen in der Gethsemanekirche den Stücken der Jazzmusiker zu lauschen. Einlass ist ab 18 Uhr, los geht’s um 20 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos, es wird aber um Spenden für Peter Steudtner und Familien von allen anderen in der Türkei Inhaftierten gebeten.

Auch die vom Menschenrechtler mitgestalteten CDs können hier erworben werden. „So hat jeder Gelegenheit ein Stück Peter Steudtner mit nach Hause zu nehmen.“

Katja Reichgardt, Bilder: Peter Steudtner