Aus der Spur

Potsdamer Brücke: Jetzt sorgen Polizisten für Einhaltung des Fahrverbots auf der gefährlichen Baustelle.

Chaos auf der Potsdamer Brücke und ringsherum – seit Anfang August wird die wichtige Nord-Süd-Trasse über den Landwehrkanal saniert. Mindestens bis Ende Oktober ist sie dicht; vielleicht kann schon im September die südliche Spur wieder freigegeben werden, heißt es aus der Verkehrsbehörde. Fußgänger und Radfahrer dürfen sie in beide Richtungen passieren, Autos hingegen nicht. Busse der Linien M 48 und M 85 durften mal durch, dann einige Tage nicht. Es hagelte Fahrgäste-Kritik – und jetzt dürfen sie wieder.

Damit kehren auch die Nachtbuslinien N1 und N2 auf ihre gewohnte Route zurück. Eine für viele unübersichtliche Verkehrslenkung und zeitweilige Ampelschaltung animierte rücksichtslose Autofahrer, sich gemeinsam mit Bussen, Pedalisten und Fußgängern über die schmalen Baustellen-Wege der Brücke zu schlängeln. Und auch unsichere Fahrer und Ortsfremde verirrten sich im Gewirr der Markierungslinien. Hoch gefährlich für alle. Folgerichtig kam es zu zahlreichen Auffahrunfällen.

Reißleine gezogen

Daraufhin zog Innensenator Andreas Geisel (SPD) kürzlich die Reißleine: Seit Wochenbeginn sorgen speziell abgestellte Polizisten rund um die Uhr für die Einhaltung des Pkw- und Lkw-Fahrverbots und achten darauf, dass nur Busse die Baustelle passieren.  Doch ihr Einsatz ist auch umstritten. Bodo Pfalzgraf, Berliner Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), sieht darin „eine klassische politische Fehlentscheidung“. Unisono mit der Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisiert er den mehrwöchigen 24-Stunden-Einsatz der hoch qualifizierten Beamten.

Dies sei eine Zumutung für die Berliner Polizei, die ohnehin schon „unter massiver Personalnot“ leide und wahrhaftig „andere und wichtigere Aufgaben“ zu erfüllen habe. Die Sicherheit der Baustelle und Kontrolle des Fahrverbots könne auch durch andere Maßnahmen gewährleistet werden. Vielleicht mit einer Schranke, von einem BVG-Mitarbeiter betätigt, der nur die Busse durchlässt – wie es Peter Trapp (CDU), Innenausschuss-Vorsitzender des Abgeordnetenhauses, vorschlägt. Die BVG winkt ab: Für die Durchsetzung von Fahrverboten sei man nicht zuständig.

In die Jahre gekommen

Natürlich müssen Brücken, sobald sie in die Jahre kommen, saniert werden. Die Potsdamer hat in ihrer heutigen Gestalt mehr als fünf Jahrzehnte auf dem Buckel – höchste Zeit also, ihren Belag generell zu erneuern und die porös gewordenen Fugen zwischen den 38 Spannbeton-Trägern abzudichten. Dafür haben selbst die ohnehin schon baustellen- und staugeplagten Berliner Verständnis. Allerdings sinkt ihre Geduld rapide, wenn ein quasi behördlich verordnetes Wirrwarr sie täglich aufs Neue herausfordert.

Es gibt die Ignoranten, die sich verkehrswidrig durchschummeln; und es gibt die Einsichtigen, die unschlüssig vor verwirrenden Gebotsschildern stehen. Vielleicht hätte an der Potsdamer Brücke ein deutliches Fahrverbotsschild – das runde, rote – in Verbindung mit klaren Markierungen und Schrammborden ja schon ausgereicht, um beide Gruppen auf die richtige Spur zu bringen.

Jürgen Zweigert, Bild: imago/Stefan Zeitz