Zeugnisse des Reichtums

Denkmäler öffnen sich für Bürger.

Offiziell am 10. September öffnen bundesweit rund 7.500 historische Baudenkmale, Parks oder archäologische Stätten ihre Türen. In diesem Jahr steht der Tag des offenen Denkmals unter dem Motto „Macht und Pracht“, das sich auf Denkmale bezieht, die weltliche und religiöse Machtverhältnisse abbilden: prächtige Schlösser, mächtige Kirchen, Patrizierhäuser mit aufwendigem Bauschmuck oder große historische Fabrikhallen. Es öffnen aber auch viele Denkmale ihre Türen und Tore, an denen sich Machtmissbrauch erklären lässt und solche, die an die Armut und Ohnmacht ihrer Zeit und ihrer Bewohner erinnern. Was es zum Tag des offenen Denkmals in den jeweiligen Bezirken zu sehen gibt, haben wir hier aufgelistet:

Friedrichshain/Kreuzberg

Das Gebäude des heutigen Technischen Informationszentrums Berlin wurde 1905 als Kaiserliches Patentamt erbaut und beherbergt seitdem die deutsche Patentbehörde. Der mächtige, repräsentative Bau von Solf & Wichards verbindet anspruchsvolle Architektur mit zweckmäßiger Gestaltung. Farben wurden zurückhaltend eingesetzt, natürliche Baumaterialien setzen architektonische Besonderheiten ins rechte Licht. Im Gebäude befinden sich eine historische Bibliothek mit Patentschriftensammlungen und ein historisches Prüferzimmer. Im Rahmen des Tages des offenen Denkmals finden am 9. und 10. September Führungen statt. Bitte Personaldokument mitbringen. Mehr Infos online.

Bild: imago/Schöning

Pankow/Prenzlauer Berg/ Weißensee

Eines der ältesten Baudenkmale im Zentrum von Pankow präsentiert sich zum Tag des offenen Denkmals wieder Besuchern und Interessierten: Das Haus Hildebrand, in der Breiten Straße 45. Bereits 1770 wurde das historische Gebäude mit dem sehenswerten Park erbaut. 1866 zog hier die namensgebende Berliner Kaufmannsfamilie Hildebrand ein, bevor es mehr als hundert Jahre später vom Caritas-Krankenhilfe e.V. übernommen wurde. Noch heute zeugen der verputzte Mauerbau, die Freitreppe und der  großzügige Garten von der Bedeutung des frühen Pankows als Erholungsort. Am 10. September führt Paul Kirchmair um jeweils 11 und 14 Uhr durch das denkmalgeschützte Haus.

Bild: Bild: Paul Kirchmair

Lichtenberg/ Hohenschönhausen

Die Liste der architektonischen Zeugen der Lichtenberger Orts- und Bezirksgeschichte ist lang und vielfältig: Da gibt es das zauberhafte Schloss Friedrichsfelde, das geheimnisvolle Stadtbad Lichtenberg, die interessanten Ausstellungen im Museum des historischen Kesselhauses Herzberge, die ehemaligen Stasi-Einrichtungen, das Deutsch-Russische Museum mit dem Saal in dem 1945  die Kapitulation unterzeichnet wurde und auch die Orte der sozialistischen Vergangenheit, deren Tradition weit in die Anfänge des 20. Jahrhunderts zurückreichen. Zum Tag des offenen Denkmals am 9. und 10. September können all diese Orte besucht werden.  An diesen Tagen werden bei speziellen Führungen zudem noch viele historische  Details verraten, die den Besuchern  an den ganz normalen Tagen verborgen bleiben. 

Bild: imago / Jürgen Ritter

Treptow/ Köpenick

Seit der Eröffnung im Jahr 1906 ist das Bahnbetriebswerk Schöneweide Heimat von Lokomotiven. Der Lokomotivschuppen in gelber Klinkerbauweise und weitere Anlagen zeigen, wie die Instandhaltung zu Urgroßvaters Zeiten funktionierte. Zum Ensemble auf dem Gelände am Adlergestell gehören eine Länderbahndrehscheibe mit zwölf ständigen Ringlokschuppen, ein Wasserturm, ein Bekohlungskran und ein Verwaltungsgebäude. Mitte der 1990er-Jahre zog sich die Deutsche Bahn zurück. Heute ist hier der Verein Dampflokfreunde Berlin angesiedelt. Am Tag des offenen Denkmals am 10. September bietet der Verein Führungen durch das Bahnbetriebswerk an, das an diesem Tag von 11.30 Uhr bis 18 Uhr geöffnet ist.

Bild: DLF/Bajohra

Neukölln

Viel Luft, Licht und Grün: Die Hufeisensiedlung hat über die Jahre nichts von ihrer Mustergültigkeit verloren.  Bis heute steht das zwischen  1925 und 1931  errichtete Ensemble für eine ebenso zweckmäßige wie auf den Menschen ausgerichtete Architektur. Merkmale, die in Zeiten der „wachsenden Stadt“ gefragter denn je sind. Oder sein sollten. Zum Tag des offenen Denkmals bieten sich ungewohnte Einblicke in die Siedlung. Unter dem Motto „Leben im Welterbe Großsiedlung Britz“ werden am 9. und 10. September jeweils zwei Führungen und Rundgänge  angeboten. Treffpunkt ist um 10, 12 und 14 Uhr an der Infostation (Fritz-Reuter-Allee 44). Dabei wird auch eine Wohnung besichtigt. Voranmeldungen werden unter pr@deutsche-wohnen.com erbeten. Als besonderes Highlight wird im Projektraum Kunst im TautHaus (Parchimer Allee 85b) am 9. September eine Komposition uraufgeführt (Beginn: 15 Uhr, Anmeldungen unter der Nummer 0176/204 518 19).

Bild: imago/Philip Schilf

Tempelhof/ Schöneberg

Das in der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre nach Plänen von Ernst Sagebiel errichtete Gebäude des Flughafens Tempelhof spiegelt die wechselvolle Geschichte Berlins wider: Es ist Ausdruck der nationalsozialistischen Ideologie und diente im 2. Weltkrieg der Rüstungsproduktion durch Zwangsarbeiter. Tempelhof ist aber auch ein Symbol der Freiheit, die Luftbrücke von 1948/49 hat den Flughafen weltberühmt und zum Mythos gemacht. Im Rahmen des Tages des offenen Denkmals werden am 9. September zwischen 10 und 15 Uhr halbstündlich Führungen  angeboten. Interessierte sollten sich schnell anmelden: www.thf-berlin.de/denkmaltag

Bild: Ralph Peters

Steglitz/ Zehlendorf

Noch vor wenigen Jahren lebten  in Lichterfelde  Frauen hinter Gittern. Doch nun ist das ehemalige Frauengefängnis in der Söhnstraße auf dem besten Weg, sich als Standort für Kunst und Kultur zu etablieren. Neben Filmschaffenden haben auch Ausstellungsmacher den Reiz des im Jahr 1906 fertiggestellten Baus für sich entdeckt. Zum Tag des offenen Denkmals am 10. September werden am kommenden Wochenende, zwischen 11 und 18 Uhr, nicht nur Führungen durch den  Komplex angeboten. Verschiedene kreative Aktionen befassen sich mit den Themen Freiheit und Gewalt. Höhepunkt ist eine Lesung des Schauspielers Udo Samel am Sonntag, den 10. September: Ab 19 Uhr präsentiert er unter anderem Texte von Martin Luther und Dietrich Bonhoeffer.

Bild: imago/Rolf Kremming

Charlottenburg/ Wilmersdorf

Mehr als die Hälfte aller weltweit existierenden Gaslaternen steht auf den Straßen Berlins. Vor allem in den westlichen Bezirken und rund um das Schloss Charlottenburg  gibt es noch einige der historischen Masten – teilweise mehr als 150 Jahre alt und noch voll intakt. Der Förderverein Gaslicht-Kultur setzt sich  seit Jahren für den Erhalt der Gasbeleuchtung als industriehistorisches Denkmal ein. Zum Tag des offenen Denkmals geht es für Interessierte mit dem Rad vom U-Bahnhof Sophie-Charlotte-Platz  zu den erhaltenen Berliner Gaslaternen.  Jeweils um 20 und 21 Uhr starten die einstündigen Touren, während derer Gaslicht Kultur e. V. auch über die Geschichte  der historischen Gasbeleuchtung informiert.

Bild: Bertold Kujath – www.gaslicht-kultur.de

Mitte

An der östlichen Seite der Brücken- und Köpenicker Straße findet sich ein Dokument historischer Entwicklungen Berlins: So steht der U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße, von 1926 bis 1928 nach Plänen von Alfred Grenander und Alfred Fehse gebaut, für die Moderne, die Zerstörung des Hauses für den Zweiten Weltkrieg, der 1961 verschlossene (bis heute vermauerte) U-Bahneingang für die geteilte Stadt und das Überdauern des Gebäudes für die Inbesitznahme durch die Clubkultur seit den 1990er-Jahren. Die Führung mit dem Historiker Eberhard Elfert am 8. September  ist  eine von fünf Stadtführungen des Veranstalters „clubkultour“ im Rahmen des Tages des offenen Denkmals.

Bild: Fritz Zimmermann

Wedding/ Tiergarten

Der Gedenkort Güterbahnhof Moabit ist erst in diesem Sommer eingeweiht worden.  Weil Tag des offenen Denkmals ist, werden hier in der Quitzowstraße am 9. und 10. September Führungen angeboten. Mit dem Gedenkort wird an   die mehr als 30.000 jüdischen Berliner erinnert, die von 1941 an vom größten Deportationsbahnhof Berlins aus in den Tod geschickt wurden. Stark anzunehmen, dass dies auch das Schicksal der jüdischen Fabrikantenbrüder Gattel und ihrer Ehefrauen war. Sie ließen  bis 1891 die Hutfabrik in der Prinzenallee 58 errichten und mussten 1933 zwangsverkaufen. Auch an diese Geschichte soll während Führungen erinnert werden, die die Wohnungsgenossenschaft Prinzenallee  am Wochenende anbietet.

Bild: Jürgen Schwenzel

Spandau

Die zwischen 1934 und 1935 errichteten Bauten am Kladower Damm waren damals die modernsten und großzügigsten Schulungs- und Kasernengebäude der im Aufbau befindlichen Luftwaffe. In dieser repräsentativen Anlage sollte die militärische Führungselite für den kommenden Luftkrieg ausgebildet werden. Die attraktiven Gebäude und deren komfortable Ausstattung wurden allseits gelobt. Die sogenannte Luftwaffenmoderne hatte den Eindruck von „Macht und Pracht“ nicht verfehlt. Im Rahmen des Tages des offenen Denkmals finden auf dem Flugplatz Gatow und im anliegenden Militärhistorischen Museum am 9. und 10. September Veranstaltungen, darunter auch Fahrradtouren und Busrundfahrten, statt. Wer dabei sein möchte, kann sich im Voraus bei Karin Grimme genauer informieren.
Telefon: (030) 36 87 26 01

Bild: imago/Pacific Press Agency

Reinickendorf

Die Liste der architektonischen bedeutsamen Zeugnisse, die Reinickendorf zu bieten hat, ist vielfältig: Da gibt es das idyllische Dorf Lübars, die historische Dorfkirche in Alt-Wittenau, die Schulfarm auf der Insel Scharfenberg und die üppig bis verwunschen anmutende Villenkolonie in Valentinswerder. Und da ist auch noch das kleine Gartenparadies in Heiligensee, in dem die  Künstlerin Hannah Höch viele Jahrzehnte wohnte und arbeitete. Die beschauliche Oase, die heute  im Besitz des Künstlers Johannes Bauersachs  ist, gilt heute   mehr denn je als ein Ort der Ruhe, Inspiration und Freude.  Das Hannah-Höch-Haus wird, wie alle anderen genannten Häuser an den Tagen des Offenen Denkmals am 9. und 10. September die Türen öffen, um die Geschichte erlebbar zu machen, für die die Häuser stehen.

Bild: imago / Juergen Ritter

Bauliche Beispiele

Im Vergleich mit europäischen Metropolen wie London, Paris oder Madrid scheint Berlin nach den vielen Zerstörungen, die die Stadt im Laufe des letzten Jahrhunderts erlebt hat, nur stellenweise macht- und prachtvoll zu wirken. „Doch der diesjährige Tag des offenen Denkmals beweist: In allen Bezirken finden sich Zeugnisse von materiellem Reichtum und dem Bestreben, die eigene ökonomische und soziale Macht auch baulich zur Schau zu stellen“, erklärt Landeskonservator Professor Dr. Jörg Haspel anlässlich des Tages des offenen Denkmals.

Geschmückte Kirchen

Der Direktor des Landesdenkmalamtes verweist auf Fürstenschlösser, Fabrikschlösser und Adelspalais’, auf  Parlaments- und Ministerialbauten, Botschaften, auf imposante Rathäuser, monumentale Industriekathedralen und aufwendig geschmückte Kirchen, die Villen der Schöneberger Millionenbauern und die vornehmen Landhäuser in den Vororten. „Das Bedürfnis nach Prachtentfaltung“, so Haspel,  „durchzieht alle Zeiten und alle Baugattungen.“ Selbst auf Friedhöfen würden Mausoleen stolz von der wirtschaftlichen Macht und kulturellen Potenz der Verstorbenen künden, und im gutbürgerlichen Rheingauviertel entstanden U-Bahnhöfe, deren Opulenz noch heute erstaunten.

Selbst noch in der Nachkriegszeit errichtete man Paläste, etwa sogenannte Arbeiterwohnpaläste an der Karl-Marx-Allee. Apropos: Aus Anlass des diesjährigen Schwerpunktthemas hat auch die höchste Macht in Deutschland – der Deutsche Bundestag – das Reichstagsgebäude für das Programm angemeldet. Und auch das Abgeordnetenhaus ist traditionell ebenfalls wieder mit dabei.

Informationen zum genauen Programm sind auf mehreren Kanälen zugänglich. Für Besitzer von Smartphones gibt es sowohl im iTunes App Store als auch bei Google Play kostenlose Apps mit Suchfunktion, Merkzettel und vielem mehr. Nähere Informationen online.

Manfred Wolf, Bild: imago / Jürgen Ritter