Blindenwerkstatt muss schließen

Verluste sind vom Blindenhilfswerk nicht mehr zu stemmen.

Die vom Blindenhilfswerk in der Rothenburgstraße 15 betriebene Blindenwerkstatt muss geschlossen werden. Das Blindenhilfswerk als Träger der Werkstatt ist ein 1886 gegründeter Fürsorgeverein, der neben der Werkstatt unter anderem etwa 60 Wohnungen für blinde und sehbehinderte Menschen unterhält, sich allgemein für die Belange dieses Personenkreises einsetzt und deren wirtschaftliche Selbstständigkeit fördert. Es finanziert seine Arbeit aus Zinserträgen, Spenden und sonstigen Zuwendungen. Für die Aufrechterhaltung der Werkstatt in Steglitz sind laut Geschäftsführerin Andrea Pahl die Erträge einfach zu gering. Im März nächsten Jahres wird die Werkstatt geschlossen. Bis dahin sollen die momentan hier Arbeitenden in andere Beschäftigungsverhältnisse vermittelt werden.

Große Verluste

13 Blinde arbeiten in Steglitz unter anderem als Bürsteneinzieher

Die Blindenwerkstatt beschäftigt 13 blinde und sehbehinderte Handwerker als Bürsteneinzieher sowie Korb – und Stuhlflechter. Daneben unterstützen fünf sehende, nicht behinderte Mitarbeiter die Handwerker bei ihrem traditionellen Blindenhandwerk. Die Erlöse aus dem Verkauf der hergestellten Produkte decken seit vielen Jahren nicht mehr die durch die Herstellung der Produkte entstehenden Kosten. Die dadurch verursachten Verluste in Höhe eines mittleren sechsstelligen Euro-Betrages jährlich wurden bisher vom Blindenhilfswerk übernommen. „Dies ist zukünftig nicht mehr möglich, ohne die Existenz und die Arbeit des Blindenhilfswerks zu gefährden“, teilt der Träger mit.

Dem am 7. Juli mit fast 90-prozentiger Mehrheit der stimmberechtigten Mitglieder gefassten Schließungsbeschluss seien vielfältige Versuche vorausgegangen, die Blindenwerkstatt in ihrem Bestand zu erhalten. Es wurden die Kooperation mit Behindertenwerkstätten gesucht, Produktionsabläufe verändert und neue Wege im Marketing beschritten. Es habe sich jedoch nach intensiven Beratungen mit Vertretern von Behindertenwerkstätten und im Blindenwesen tätigen Einrichtungen herausgestellt, dass die Werkstatt als Betrieb des ersten Arbeitsmarktes in der gegebenen räumlichen Größe und der Anzahl der Beschäftigten nicht existenzfähig sei.

Lösungen finden

Bei der nunmehr anstehenden Abwicklung der Werkstatt geht es dem Blindenhilfswerk darum, für die Mitarbeiter, insbesondere die blinden und sehbehinderten, sozial angemessene Lösungen für ihre weitere berufliche Tätigkeit zu finden“, sagt Andrea Pahl. Damit seien zum Beispiel die Vermittlung in andere Arbeitsverhältnisse, Umschulungen oder Abfindungen gemeint. „Bei einigen Mitarbeitern ist uns eine Eingliederung in andere Tätigkeitsbereiche bereits gelungen“, so Pahl. Allgemein werde diese Aufgabe jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Neue Wege

Das Blindenhilfswerk befindet sich im Übrigen zurzeit in einem intensiven Klärungsprozess, in welchem Bereich es sich anstelle des Betriebs der Werkstatt zukünftig für blinde und sehbehinderte Menschen einsetzen wird.

Weitere Infos

Sara Klinke/Red., Bilder: Blindenhilfswerk,