Neukölln feiert die offene Gesellschaft

Festival für Demokratie und Vielfalt bietet Workshops, Diskussionen und mehr.

Allein ihr Bekenntnis zu Demokratie und Toleranz brachte Menschen im Bezirk ins Visier von Gewalttätern. Das zeigt die  Welle von Brandanschlägen auf Häuser und Autos von Politikern und engagierten Bürgern. Ein Zeichen gegen Gewalt und Fremdenhass und für eine offene Gesellschaft soll jetzt die Veranstaltung  „Neukölln Open – Festival für Demokratie und Vielfalt“ am 10. September auf dem Gutshof und im Schloss Britz setzen.

Zeichen setzen

Die Initiatoren warnen vor dem Einfluss von „Parteien, die mit der Ausgrenzung von Bevölkerungsgruppen auf Stimmenfang gehen. Diese Tendenzen bedrohen eine offene und vielfältige Gesellschaft und letztendlich die Grundwerte unserer Demokratie. Kurz vor der Bundestagswahl gilt es deshalb Zeichen zu setzen: Für Vielfalt, Toleranz, Demokratie und Menschenrechte!“. Mit dem erstmals stattfindenden Festival „Neukölln Open“ laden das Museum Neukölln und die Volkshochschule Neukölln Menschen ein, sich aktiv an Prozessen der politischen Meinungsbildung zu beteiligen.

Teilnehmer können in der Speaker“s Corner drei Minuten lang zu einem freien Thema sprechen, sich an insgesamt sechs Diskussionsforen beteiligen, in drei Workshops das eigene demokratische Verhalten erproben und in der Plenumsdebatte zum Thema „In welcher Gesellschaft wollen wir leben?“ mitdiskutieren. Das Festival biete zudem einen offenen und konstruktiven Dialog mit engagierten Autoren, Forschern und Politikern, die sich mit wichtigen Fragen unserer Zeit auseinandersetzen.

Der Neuköllner Linke-Politiker Niklas Schrader sieht in dem Festival ein wichtiges Signal, sich mit den Anwohnern – insbesondere in der Hufeisensiedlung, Rudow und Buckow – zu solidarisieren, die in letzter Zeit Opfer von rechten Attacken geworden sind. „Die Übergriffe haben ein bedrohliches Ausmaß angenommen. Diese Menschen sollten gezielt eingeschüchtert werden, wir dürfen sie nicht alleinlassen.“ Enttäuscht zeigt sich Schrader von den Ermittlungen: „Die Polizei hat sich mit zwei Sonderermittlungsgruppen besser aufgestellt, aber wir erwarten, dass es endlich eine Festnahme gibt.“ Als Lehre aus den  Pannen bei der Verfolgung der Neonazi-Terrorzelle NSU fordert das Mitglied des Abgeordnetenhauses die Polizei auf, einen rechtsextremen Hintergrund der Brandanschläge ernsthaft zu prüfen.

Tod in Kauf genommen

In seiner Antwort auf eine Anfrage Schraders und seiner Fraktionskollegin Anne Helm geht Innenstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) von „wahrscheinlich rechtsextremistischen Tätern“ aus, die zumindest bei den Anschlägen auf das Anton-Schmaus-Haus den Tod von Menschen billigend in Kauf genommen hätten. Die Auswahl der Anschlagsziele gebe einen deutlichen Hinweis auf den Täterkreis. Zum Stand der Ermittlungen äußert sich Gaebler nicht. Zu Gast bei dem Festival sind unter anderem die Schriftstellerin Tanja Dückers, Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD), Kultursenator  Klaus Lederer (Die Linke), die Autorin und Journalistin Sineb El Masrar sowie der Politikwissenschaftler Michael Zürn. Ein Markt der Demokratie informiert über Aktivitäten von Bürgerinitiativen, Stiftungen und Vereinen. Für Kinder gibt es Spiele, die zeigen wie viel Spaß Demokratie machen kann. Außerdem werden ein Poetry Slam und Livemusik geboten. Wegen der begrenzten Teilnehmerzahlen für die Diskussionsforen und die Workshops  wird  um vorherige Anmeldung gebeten.

Telefon: (030) 627 277
E-Mail: info@museum-neukoelln.de

Nils Michaelis, Bild: imago/Christian Ditsch