Künstlerhaus wird zur „Atelier-Meile“

Kultur: Nach jahrelangen Verhandlungen steht fest: Jetzt wird sogar massiv erweitert.

Jahrelang haben sie für ihr Bleiberecht in dem früheren Bürogebäude der DDR-Akademie der Wissenschaften in der Prenzlauer Promenade 149 gekämpft. Nun können sie endlich aufatmen. Vor einigen Tagen gab Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) bekannt, dass die etwa 80 Künstler, die hier tagtäglich werkeln, malen und zeichnen, weiter in ihren Ateliers bleiben dürfen. Außerdem, so fügte er hinzu, würden rund 375 weitere Ateliers und Proberäume für darstellende Kunst und Tanz sowie Musikübungsräume hinzukommen. Einen Namen für das neue Kunst-Areal hatte er auch gleich parat: Atelier-Meile nennt er das neue Projekt. „Das ist ein riesiger Erfolg im Kampf gegen Verdrängung, den wir für Künstlerinnen und Künstler und für die Kulturlandschaft der Stadt erreicht haben“, freute sich Lederer. Noch vor fünf Jahren wäre dieser Entwicklung undenkbar gewesen.

Wohnungen statt Kunst

Damals sollten die Künstler-Ateliers einem Wohnungsbau weichen. Die Mieter sahen ihre Existenz in Gefahr und kämpften gegen die neuen Pläne des Liegenschaftsfonds der Stadt Berlin, der das langgestreckte Gebäude in der Prenzlauer Promenade verwaltete. Und sie blieben. Den Verhandlungen folgten Jahre im Schwebezustand, in denen die Künstler nicht wussten, wie genau es weitergehen wird. Insofern ist die neueste Entwicklung ein Meilenstein für die Kreativen. Auch Pedro Boese und Mechtild Beckmann,  Vorsitzende des Vereins Prenzlauer Promenade e.V. in Gründung, sehen nun positiv in die Zukunft. Der deutsch-portugiesische Maler ist Mitglied im Deutschen Künstlerbund und hat sein Atelier schon vor zwölf Jahren in das Atelierhaus verlegt. Mechtild Beckmann ist dort ebenfalls seit vielen Jahren Mieterin. Lange kämpften sie mit ihrem Verein und anderen Künstlern für den Erhalt des Hauses als Raum für Ateliers. Nun scheint es soweit zu sein. Der entsprechende Generalmietvertrag für das Gebäude in der Prenzlauer Promenade wurde nach langen Gesprächen sowohl von der Kulturverwaltung als auch von der Berlinovo und der gemeinnützigen Gesellschaft für Stadtentwicklung (GSE) unterzeichnet und sichert den Mietern ein Bleiberecht für die kommenden 25 Jahre zu. Auch Räume für Tanz und Darstellende Künste sind in Planung. Der Bedarf an Platz für Künstler scheint groß. Das erleben auch Boese und Beckmann, deren Ateliers sich im Hochparterre, mit Blick auf die Prenzlauer Promenade, befinden. „Regelmäßig kommen hier interessierte Künstler vorbei, die am liebsten sofort eines der Ateliers mieten würden“, erklärt Boese. Bisher standen ihre Chancen auf freie Mieteinheiten in dem beliebten Gebäude eher schlecht. Das soll sich nun ändern.

Mehr Platz für Künstler

Die Senatsverwaltung für Kultur sieht die Erhaltung und Erweiterung als ersten Schritt, den Bestand an öffentlich geförderten Arbeitsräumen für Berliner Künstler bis 2021 zu vervierfachen. Mit dem Atelierhaus Pankow wird der aktuelle berlinweite Raumbestand von bisher rund 540 Arbeitsräumen und Ateliers fast verdoppelt. Das langfristige Ziel ist es, 2.000 neue Räume für Künstler zu schaffen. Diese Maßnahmen kommen keinen Moment zu spät. Sind derzeit doch rund 4.000 Künstler auf der Suche nach geeigneten Arbeitsflächen in der Stadt, die immerhin als Magnet für Kreative gilt. Weitere Ateliers und Räume für Kunst sind in Niederschöneweide für das kommende Jahr geplant. Zurzeit werden diese noch von der Hochschule für Schauspielkunst genutzt, die aber demnächst nach Mitte ziehen wird. Die Unterrichts- und Proberäume wären dann für Künstler aus den Bereichen darstellende Kunst, Tanz und Performance frei. Zunächst aber stehen in Pankow kleinere Modernisierungsmaßnahmen, vor allem für mehr Brandschutz, auf dem Plan. Damit wurde bereits begonnen. So sind in den zurückliegenden Wochen die alten Holz-Treppengeländer gegen feuerfestes Material ausgetauscht worden. Bis die ersten „neuen“ Mieter sich in der „Atelier-Meile“ niederlassen, dürfte es also noch dauern. Boese und Beckmann freuen sich auf jeden Fall über die neuesten Entwicklungen und sind gespannt, wie sich die Zukunft des Hauses gestalten wird.

kr/red, Bilder: Katja Reichgardt