Diese Pleite kennt nur einen Gewinner

Weil die Bundesregierung Air Berlin mit 150 Millionen Euro stützt, legt Konkurrent Ryanair Beschwerde bei der EU-Kommission ein.

Für Thomas Winkelmann (57) zeichnet sich ein baldiges Ende seines Ausflugs zu Air Berlin ab: Der ehemalige Spitzenmanager der Lufthansa, der erst im Februar dieses Jahres die Führung bei Konkurrent Air Berlin übernommen hatte, verhandelt offensichtlich sich selbst und das, was von Air Berlin noch wirtschaftlich verwertbar ist, zurück in seine einstige berufliche Heimat. Mit dem Segen gleich zweier Bundesminister – Zypris (Wirtschaft, SPD) und Dobrindt (Verkehr, CSU) – wurden unmittelbar nach Bekanntwerden der Insolvenz Verhandlungen mit der Lufthansa aufgenommen. Und dass trotz Warnung seitens der Monopolkommission, dass eine einseitige Stärkung des hiesigen Marktführers zu weniger Wettbewerb führen würde.

Viele Experten glauben, dass der Übernahme-Poker bei Air Berlin eigentlich schon längst entschieden ist.

Mit einem großen Teil der Air Berlin-Flotte soll offenbar zukünftig die Lufthansa-Billig-Flug-Tochter Eurowings gestärkt werden. Zudem wird wohl der Verkauf der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki erwogen. „Es geht nur darum, Ryanair daran zu hindern, in Deutschland weiter zu wachsen“, schimpfte Ryanair-Chef Michael O’Leary. Er sehe eine „professionell durchgezogene Subvention“, die nur das Ziel habe, Lufthansa eine schuldenfreie Air Berlin zu übergeben. Auch deshalb hat Ryanair aufgrund des 150-Millionen-Kredits bereits Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt.

Red., Bild: AJens Ollermann

Air Berlin-Chef Thomas Winkelmann