Aufstieg und Fall

Rückblick: Air Berlin meldet Insolvenz an – die Erfolgstory der zweitgrößten deutschen Airline ist zu Ende erzählt.

Es war keine Überraschung und doch schlugen die Wellen der Spekulation hoch, als Air Berlin in der vergangenen Woche Insolvenz anmeldete. Mit einem Brückenkredit über 150 Millionen Euro vom Bund soll der Flugbetrieb aufrechterhalten werden, damit Flüge weiterhin stattfinden und bereits gebuchte Tickets ihre Gültigkeit behalten. Die Verhandlungen mit Lufthansa und weiteren Partnern zum Erwerb von Betriebsteilen der Air Berlin laufen derzeit. Und was wird aus den 8.600 Angestellten, die derzeit noch einen Arbeitsvertrag mit der Airline haben?

Air Berlin-Geschäftsführer Thomas Winkelmann erklärt: „Wir arbeiten unermüdlich daran, in dieser Situation das Beste für das Unternehmen, für unsere Kunden und unsere Mitarbeiter zu erreichen.“ Hintergrund des Schrittes zur Insolvenz sei die Mitteilung der Etihad, dass sie nicht mehr beabsichtigt, Air Berlin finanziell zu unterstützen. Die arabische Airline hatte mit mehreren Finanzspritzen in Milliardenhöhe in den vergangenen Jahren die Verluste von Air Berlin abgefangen. Die Pleite der Hauptstadt-Airline ist nicht mehr aufzuhalten. Für Wehmütige bleibt nur die Erinnerung an bessere Zeiten.

Etihad und Air Berlin wurden
strategische Partner im Jahr 2011

Mit Kim Lundgren (links) begann
die fast 40-jährige Geschichte der Air Berlin

Große Schritte

Wer die Geschichte von Air Berlin in seiner Gesamtschau betrachtet, sieht im Großen und Ganzen eine schnurgerade Erfolgsstory. Vom amerikanischen Piloten Kim Lundgren, der im Zuge der Ölpreiskrise seine Arbeit bei Pan Am verlor, wurde im Juli 1978 die Air Berlin Inc. als Charterfluggesellschaft gegründet. Mit nur zwei Fliegern war diese Airline winzig. Joachim Hunold, bis dato Vertriebsdirektor bei der LTU, übernahm die Air Berlin Inc. im Jahr 1991, gründetet die Air Berlin GmbH & Co. Luftverkehrs-KG und änderte das komplette Unternehmensprofil der Airline grundsätzlich, rasant und erfolgreich.

Damals schon sympathisch: die Air Berlin-Crew im Jahr 1980

Anteile an der österreichischen Airline NIKI ab 2004, der Gang zur Börse in 2006 für frisches Kapital, Übernahme der dba im gleichen Jahr, der Kauf des Ferienfliegers im Jahr 2007: Die Airline wuchs schnell – zu schnell, heißt es aus Kritikerkreisen. Air Berlin bediente erst hauptsächlich den Mittelmeerraum und flog den Namen der Hauptstadt in Rot auf Weiß dann in die ganze Welt. In besten Zeiten besaß das Unternehmen eine Flotte von mehr als 140 Flugzeugen und beschäftige über 9.000 Mitarbeiter. Große Unfälle und Katastrophen gab es nie. Im Dezember 2011 vereinbaren Air Berlin und Etihad Airways eine strategische Partnerschaft, im Frühjahr 2012 tritt Air Berlin der globalen Airline-Allianz oneworld bei und bietet ihren Gästen damit ein weltweites Streckennetz an.

Notbremse gezogen

Was den Absturz der einst so erfolgreichen Airline herbeiführte? Zu der Problematik, dass Air Berlin es nicht schaffte, sich ein klares Image (Business-Airline, Ferien- oder Billigflieger) zu verschaffen, kam auch noch Pech hinzu. Der BER sollte der angeschlagenen Airline Aufwind verschaffen, ist aber bis heute nicht fertig. Etihad hat nun selbst wirtschaftliche Probleme und schlussendlich zorgen die Araber kürzlich die Notbremse. Die Pleite ist besiegelt. Der Air Berlin-Song läuft nur noch auf Youtube.

Sara Klinke, Bilder: Andreas Wiese/airberlin, Archiv airberlin, RAPP, airberlin