Hier wird gerollt und nicht gekugelt

Kulinarik: Ein neuer Trend erobert Berlin: Frische Eisrollen sorgen unter anderem im Mauerpark für Sommergefühle.

Wer schon einmal in Asien unterwegs war, weiß, dass dort auch kulinarisch einiges anders läuft als man es aus Deutschland gewohnt ist. Statt der bei uns üblichen Kugeln in Becher oder Waffel, servieren die asiatischen Eisverkäufer ihre Kreationen in gerollter Form. Das sieht nicht nur kunstvoll aus, sondern schmeckt auch gut. Umso mehr verwundert es, dass es der Trend aus Thailand und Co. bisher noch nicht nach Deutschland geschafft hat. Das wollen einige Berliner nun ändern.

Parvez von Delabuu Ice Cream steht seit einigen Monaten mit seinem Wagen im Mauerpark und bietet Berlinern seine gerollten und kunstvoll dekortierten Eisbecher an. Er selbst war beim ersten Bissen von der asiatischen Eisvariante begeistert, feilte schon während seines Thailand-Rückflugs an einem geeigneten Business Plan.

Wohlgeformte Röllchen

Zuerst galt es aber herauszufinden, ob die Berliner seinen Geschmack teilten und die eisige Spezialität gut aufnehmen würden. Mit seinem Wagen stand er nach seiner mehrmonatigen Reise durch Australien und Südostasien zunächst vor dem Späti eines Freundes in der Oderberger Straße. Vor allem an Sonntagen, wenn sich die Massen aus dem Mauerpark in Richtung Prenzlauer Berg bewegen, konnte er viele Fans für seine Kreationen gewinnen. Dabei ist die Herstellung der Eisrollen gar nicht so ungewöhnlich wie man meinen mag. Vor den Augen der neugierigen Passanten werden abwechselnd Früchte, Kekse und Milch auf bis zu -35 Grad kalte Platten gegeben und anschließend zu einer glatten, cremigen Masse gestrichen. Ein Spachtel, der von unten nach oben angesetzt wird, verwandelt die Eismasse dann in wohlgeformte Röllchen, die mit Toppings verziert, verkauft werden.

Passende Räume

Mittlerweile stehen Parvez und sein Team abwechselnd im Mauerpark, am gefragten Mauersegler, am Maybachufer und am Winterfeldplatz. Am wohlsten aber fühlt er sich immer noch in seinem Kiez rund um die Oderberger Straße. Hier oder in Kreuzberg soll auch sein erster Laden entstehen. Aktuell ist der studierte BWLer aber noch auf der Suche nach den passenden Räumlichkeiten. In denen soll die eiskalte Spezialität  dann auch im Berliner Winter für Glücksgefühle sorgen. Schon jetzt haben seine Kunden die Qual der Wahl zwischen Kreationen mit Oreo-Keksen, fruchtigen Beerenmischungen oder Minze. Das Besondere: Die Eisrollen sind nicht nur lecker, sondern auch vegan und lactosefrei. Und sie scheinen auch woanders gut anzukommen. Mittlerweile gibt es das gerollte Eis in Dresden, Köln und in Frankfurt am Main. Und auch auf den vielen Festivals im Berliner Umland wächst die Fan-Gemeinde der asiatischen Eisrollen, die in Food-Trucks von verschiedenen Anbietern verkauft werden und für Abkühlung sorgen. Die Verzierungen und Zutaten werden immer kreativer. Sahne, Kekse und frische Beeren gehören längst zum Standardrepertoire. Dazu gibt es ausgefallene Toppings  aus Marshmallows, Nutella, Donutstücken, Limettensaft, Bananen und Nüssen. Immerhin etwas, worauf sich Eis-Fans, im leider unbeständigen Berliner Sommer freuen können.

kr, Bild: thinkstock/istock/etienne voss, Bild:Katja Reichgardt: