Stramm stehen in Lichterfelde

Ausstellung: Kadetten, Schüler, Hitlers Leibstandarte, Rote Armee, US-Army – Geschichten aus der Finckensteinallee 63.

Die Ausstellung „Stramm stehen in Lichterfelde. Kadetten, Schüler, Hitlers Leibstandarte, Rote Armee, US-Army. Geschichten aus der Finckensteinallee 63“ in der Schwartzschen Villa erweist sich bereits kurz nach der Eröffnung als Publikumsrenner. Viele besondere Exponate finden sich hier, die sicher einen Besuch in die Grunewaldstraße 55 wert sind.

Besonderer Fokus

Da sind etwa Dokumente über Ernst von Salomon und Felix von Eckhardt (Kadett, Drehbuchautor während der NS-Zeit und danach Adenauers Pressesprecher), antisemitische Flugblätter aus dem Jahr 1920, verfasst von ehemaligen Kadetten an der Staatlichen Bildungsanstalt Lichterfelde, das Fotoalbum eines Mitglieds der Leibstandarte SS „Adolf Hitler“, historisch eingeordnet und kritisch betrachtet. Auch eine „Todeliste“ im Zusammenhang mit Erschießungen während des „Röhm-Putsches“ auf dem Gelände, Schilder aus der Zeit Andrews-Baracks und Fotos der Blockade Andrews-Baracks durch die Friedensbewegung im Jahr 1983 erfahren besondere Aufmerksamkeit unter den Besuchern.

Ausgewählte Aspekte werden in der Ausstellung ausführlich behandelt, zum Beispiel die Baugeschichte: Wie wurden die Gebäude geplant und den jeweiligen Nutzern angepasst? Außerdem wird die staatliche Bildungsanstalt während der Weimarer Republik – als Reformschule gegen erhebliche Widerstände – beleuchtet. Weiter wird die Frage der Hintergründe bezüglich der Erschießungen im Zusammenhang mit dem Röhm-Putsch im Jahr 1983 aufgeworden. Auch der Friedhof der Roten Armee in der Finckensteinallee wird thematisiert.

Führungen und Vorträge

Am 30. August führt Armin Woy durch die Ausstellung in der Schwartzschen Villa und erläutert die verschiedenen Themenbereiche. Am 20. August steht er bei einer Führung an der Finckensteinallee 63 zur Vefügung, um Auskunft über die Geschichte des Geländes und die Themen der Ausstellung zu geben. Treffpunkt ist am Eingang Bundesarchiv. Beide Führungen sind kostenfrei.

Am 1. September wird zu einem Vortrag mit dem Titel „Antiamerikanismus in Deutschland – Nationalismus – Schuldabwehr – Ethnozentrismus“ mit dem Soziologen Felix Knappertsbusch geladen. Antiamerikanische Vorurteile haben in Europa und insbesondere Deutschland eine lange Tradition. In der Ausstellung „Stramm stehen in Lichterfelde“ wird Ernst von Salomons Buch „Der Fragebogen“ erwähnt, das 1951 erschien und hochmütig mit der Entnazifizierungspraxis der Westalliierten abrechnet. Das Buch zeichnet sich durch eklatanten Antiamerikanismus aus. Anhand historischer sowie aktueller Beispiele erläutert Felix Knappertsbusch typische Inhalte und Verwendungskontexte antiamerikanischer Rhetorik.

Veranstalter der Ausstellung ist das Kulturamt Steglitz-Zehlendorf. Diese ist noch bis zum 3. September, dienstags bis donnerstags, von 10 bis 18 Uhr, zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Red., Bild: Kulturamt Steglitz