Ein Park mit bewegter Geschichte

Ausstellung: Der Freundeskreis der Chronik Pankow informiert im Brosehaus  über die lange, abwechslungsreiche „Geschichte der Schönholzer Heide“.

Grüne Wiesen, einsame Waldwege und idyllische Alleen – wer heute durch die Schönholzer Heide spaziert, ahnt kaum etwas von ihrer bewegten Geschichte. Nur, wer sich etwas abseits der bekannten Pfade durch das 35 Hektar große Areal schlägt, erahnt, was sich hier in den vergangenen Jahrzehnten ereignet hat. Eine Ausstellung des Freundeskreises der Chronik Pankow informiert noch bis zum 12. November im Brosehaus über die ereignisreiche Vergangenheit des Volksparks. Dabei spielt zum Beispiel der Heide-Bunker eine wichtige Rolle. Dort wo sich heute vor allem Graffiti-Künstler auslassen, wurden im Zweiten Weltkrieg Nachrichten hin- und hergesendet. Schon lange vorher, in der Zeit der Weimarer Republik, zog es vergnügungssüchtige Berliner in das „Traumland“ in der Schönholzer Heide, in der sich zahllose Lokale an Schießbuden und Roulettetische reihten. Herzstück des Vergnügungsparkes waren die große Bayernhalle und die 18 Meter große Himalaya-Achterbahn. Ab 1935 wechselte der Luna-Park, der vorher in Halensee für Abwechslung sorgte, in die Heide und galt fortan als größter Vergnügungspark in ganz Europa.

Bewegte Geschichte

Auf etwa 30 Tafeln und in einigen dicken Ordnern werden die Meilensteine der Geschichte der Schönholzer Heide vorgestellt. Beginnend beim Kauf des Landes durch Königin Elisabeth Christine, die das Areal für ihre Maulbeerenbäume nutzte, bis zur Umgestaltung zum heutigen Erholungsort, gibt die Ausstellung einen beeindruckenden Überblick über eine der wohl verkanntesten Berliner Parkanlagen. So beleuchtet die Ausstellung in der Dietzgenstraße 42 auch dunklere Kapitel der Parkgeschichte. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde der Luna-Park abgerissen und fortan als „Luna-Lager“ für ausländische Zwangsarbeiter genutzt, die in der Rüstungsindustrie Dienst leisten mussten. Auf dem angrenzenden Friedhof wurden in den späten Kriegsjahren Arbeiter und Kriegsopfer begraben.

Grüne Ruheoase

An die Folgen des Krieges erinnern aber nicht nur die Ruinen des ehemaligen Nachrichtenbunkers und die 13.200 Gräber der Rotarmisten. Überquert man die Germanenstraße, fällt der Blick unweigerlich auf das Sowjetische Ehrenmal, das – zwar weniger bekannt als sein „großer Bruder“ im Treptower Park – aber mindestens genauso beeindruckend ist. Zu DDR-Zeiten ließen sich dann die Partei-Funktionäre in den Villen rund um den Park nieder. Heute sind es vor allem stressgeplagte Großstädter, die die Nähe zur grünen Ruheoase suchen. Aus den ausgestellten historischen Briefen, Fotos und Eintrittskarten setzt sich im Laufe eines Besuches ein ganzheitliches Bild über die Geschichte der Heide zusammen, das wohl die wenigsten kennen. Denn obwohl sich mittlerweile nicht mehr nur Anwohner, sondern auch Läufer, Spaziergänger und Radfahrer aus den umliegenden Bezirken auf den verwunschenen Parkwegen finden, zählt er noch lange nicht zu den gefragtesten Arealen seiner Art. Umso wichtiger sind Ausstellungen wie die des Freundeskreises der Chronik Pankow, der hofft damit das Potenzial dieses besonderen Teils Berlins zeigen zu können. Nach dem Besuch der jeden Mittwoch und Sonntag zwischen 14 und 17 Uhr geöffneten Exhibition geht es dann am besten direkt zu einem Spaziergang in die Heide.

 katja/red, Bild: Freundeskreis der Chronik Pankow e.V.: