Vom wilden zum schönen Erholungsort

Schillerkiez: Auf dem ehemaligen St.-Thomas-Kirchhof an der Hermannstraße ist der Anita-Berber-Park eingeweiht worden. Die Anlage ist eine Ausgleichsmaßnahme für die Stadtautobahn A 100.

Für die Menschen im dicht besiedelten Schillerkiez gibt es jetzt auch ganz offiziell eine neue grüne Oase: Auf dem stillgelegten Teil des  St.-Thomas-Kirchhofs ist der Anita-Berber-Park eingeweiht worden. Die Anlage befindet sich in dem Teil des Friedhofs, auf dem gemäß dem Friedhofentwicklungsplan seit Ende der 1980er-Jahre keine Beisetzungen mehr stattfanden.

Große Artenvielfalt

Anwohner und Hundebesitzer wussten das Gelände bereits zu schätzen, als es noch ein verwilderte Brache war. Letztere können sich freuen: Fast ein Drittel des 66.000 Quadratmeter großen Parks mit mehreren Aufenthaltsbereichen ist als Hundeauslaufgebiet ausgewiesen. Aufgrund der jahrzehntelangen Friedhofsnutzung ist die Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren sehr groß, dort brüten etwa 20 Vogelarten, darunter Rotkehlchen, Nachtigall und Zaunkönig sowie Buntspecht und Gartenbaumläufer. Auch Habichte und Waldohreulen wurden schon gesichtet. Fledermäuse und Vögel leben in Nistkästen an der Platanenallee. Im Park gibt es neben arten- und blütenreichen Wiesenflächen wertvolle Stauden und Sträucher. Zwiebelgewächse wie Sternhyazinthen sind im Frühjahr die ersten Nektarquellen für Bienen. „Mit der naturnahen Parkanlage soll dieser ökologisch bedeutsame Lebensraum für Pflanzen und Tiere erhalten bleiben und wertvolles Stadtgrün gesichert werden“, sagte Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos/für Grüne) bei der Einweihung. „Zugleich trägt der Park zur Erholung und zur Lebensqualität der Bürger bei.“

Am Eingang zur Hermannstraße klären Infotafeln über die Hintergründe des Projekts auf. Von 2015 bis 2016 wurde die Gestaltung des Parks in einem Bürgerbeteiligungsverfahren mit den Anwohnern entwickelt, für den Namen fand ein Ideenwettbewerb statt. Finanziert wurde der naturnahe Park als Ausgleichsmaßnahme für die Stadtautobahn A 100. Der Bund hat rund zwei Millionen Euro für den Kauf des Grundstücks und die Umgestaltung zur Verfügung gestellt. Das Land Berlin trug die Planungskosten. Die Parkbänke und die Spielgeräte wurden aus dem Baufonds des Programms Soziale Stadt finanziert. Die Parkwege schaffen eine direkte Verbindung zum Tempelhofer Feld. Namensgeberin für den Park ist Anita Berber, deren Karriere als Tänzerin während des ersten Weltkriegs in Berlin begann. In den 1920er-Jahren war sie als Bühnen- und Filmschauspielerin erfolgreich, unter anderem arbeitete sie mit Emil Jannings und Paul Wegener. Als Hutmodell war sie eine Stilikone ihrer Zeit und trug als erste Frau Smoking. Zwei Burlesque-Künstlerinnen von der Kleinen Nachtrevue in der Kurfürstenstraße riefen ihre extravagante Erscheinung am Eröffnungstag mit einer Performance in Erinnerung. Anita Berber verstarb  im Alter von 29 Jahren und wurde 1928 auf dem St.-Thomas-Kirchhof beigesetzt. Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) betonte außerdem das Engagement der unangepassten Aktrice für Frauenrechte. „Wir wünschen uns, dass die Menschen im Kiez den Park als ihren Park annehmen“, erklärte Gunnar Zerowsky vom Quartiersmanagement Schillerpromenade, das die Planungen aktiv begleitet hatte.

nm/red, Bilder: Nils Michaelis