Neuer, alter Glanz

In vier Monaten Bauzeit wurden die Fassaden des Gutshauses Neukladow originalgetreu restauriert.

Das Guts- und Verwaltungshaus im Gutspark Neukladow ist ein Haus mit Geschichte. Mit immer wieder wechselnden Eigentümern durchlief das Gut mehrere Jahrhunderte und hinterlässt heute noch Spuren vergangener Ereignisse und Bewohner. Eine der bekanntesten Personen, die mit dem Gebäude in Verbindung steht, ist Wilhelmine Luise von Bismarck, die ihre Jugendjahre von 1800 bis 1806 dort verbrachte. Ihr Sohn, Otto von Bismarck, wurde zur historischen Persönlichkeit der deutschen und preußischen Geschichte.

Von großer Bedeutung

Ab vergangenem Jahr stand eine Restaurierung der Fassaden an. Da das Gebäude geschichtlich, künstlerisch und wissenschaftlich von Bedeutung ist, wurde es gemäß Bauordnung Berlin 1971 zum Denkmal erklärt. Somit wurde versucht, das Gutshaus aus dem Denkmalschutzmitteln der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen originalgetreu zu restaurieren. Anhand eines gefundenen Putzmusters aus den Jahren 1797 und 1910 wurde ein historischer Kalkputz verarbeitet. Auch der Farbton der Fassaden sollte dem der Originale vor etwa hundert Jahren gleichen. Der Sockelbereich wurde, wie die Fassaden, ebenfalls neu angestrichen. Nach rund vier Monaten Bauzeit verkündet

Bezirksstadtrat Andreas Otti (AfD): „Es kann endlich abgerüstet werden“. Zum Abschluss fehlen noch die historischen Fensterläden, die zurzeit von Auszubildenden der Knobelsdorff-Schule aufgearbeitet und anschließend in die Fassade eingesetzt werden. Der nächste Schritt sei der Wiederaufbau des Verwalterhauses, das im Jahr 1797 gebaut wurde. 2005 fiel es einer Brandstiftung zum Opfer und ist bis auf die Grundmauern komplett abgebrannt.

Wertvolle Originale

Das Gutshaus ist für Feiern und seine kulturellen Veranstaltungen bekannt. Damals galt es noch als Ort künstlerischen Schaffens. Durch diese Tradition des Gutsparks, besonders im 20. Jahrhundert, bietet die Kulturpark GmbH Ausstellungen, Workshops, Lesungen und Festivals passend zur kunsthistorischen Geschichte an. Daneben befindet sich im Gutshaus auch ein Café, das viele historische Erinnerungsstücke ausstellt. Schon beim Eintreten fällt die aufgearbeitete Gedenktafel über dem Caféeingang auf, die der Mutter Ottos von Bismarck gewidmet ist. Außerdem wurden im Gutshaus Originalmalereien aus dem 19. Jahrhundert gefunden und freigelegt.

Für die Sanierung des Guts- und Verwaltungshauses hat der Senat rund 600.000 Euro zur Verfügung gestellt. Zwei Drittel davon fließen allein schon in die Errichtung des zerstörten Verwaltungshauses. Wofür dieses zukünftig genutzt werde, sei noch unklar, so Otti. Die Sanierung sei aber bereits ein erster Erfolg. „Mit dem Abschluss der Arbeiten sind wir wieder ein ganzes Stück weitergekommen.“

Marley Lackermann, Bild: Bezirksamt Spandau