Rakowskis Runde für den guten Zweck

 Lichtenberger erradelte 1.300 Euro Spenden auf seiner Radtour.

„Das Rad ist nicht alles, aber ohne Rad ist alles nix“, lacht Stephen Rakowski. Der begnadete Experte für alles Zweirädrige ist eine Institution im Lichtenberger Revier. Die „Radelkowskis“ beraten, verkaufen und machen in ihrem Laden nah am Bahnhof Lichtenberg seit 15 Jahren jedes Bike wieder flott. Nur von den „Elektrischen“ haben sie sich inzwischen wieder getrennt – zu viel Elektronik, die extra Fachwissen braucht. Außerdem: „Die Leute wollen in die Pedale treten, was tun für Körper und Geist“, sagt Stephen. Er hofft, dass die geplanten Radwege-Konzepte keine Traumbilder bleiben – „dann trauen sich noch mehr Leute aufs Rad und hat das Radfahren eine gute Zukunft in Berlin.“

Mit Zielen

In die Pedale treten – klar macht er das regelmäßig und oft auch gegen die Uhr. Zwar kein Mann der großen Worte, aber ein Mann der Tat. „Ich brauche jedes Jahr ein Highlight, eine Herausforderung mit dem Rad“, sagt er. Dabei ist Rakowski auch als Botschafter der besonderen Art unterwegs: Im Sommer 2015 tourte er drei Wochen lang durch Osteuropa, besuchte die Rathäuser in den Partnerstädten seines Stadtbezirks. Die mehr als 2.000 Kilometer lange Fahrt ging rauf bis nach Kaliningrad. Ein bleibendes Erlebnis. Lange Seenrunde. Highlight 2017 war im Juni die Umrundung des „Vättern“ im südlichen Schweden.

Der 135 Kilometer lange und 30 Kilometer breite See zieht jährlich zur „Vätternrundan“ mehr als 20.000 begeisterte Biker aus aller Welt an – das größte „Jedermann-Rennen“ überhaupt. In 24 Stunden muss der 300 Kilometer-Rundkurs bewältigt sein. „Wir waren dabei“, strahlt Rakowski stolz. Sein Team, zu dem auch die Brüder Gabor und Henry Pflüger gehörten, schafften die Strecke gar in nur etwas mehr als 19 Stunden. Ausgiebiges Training, eine gute Kondition, das  Miteinander einer eingeschworenen Gemeinschaft machten es möglich. „Toll, wie gut alles organisiert war. Dazu die Landschaft, die Luft, der weite Himmel“, kommt Rakowski ins Schwärmen. Außerdem sei das „an sich ne „Kopfsache“ – man fährt von Checkpoint zu Checkpoint und denkt dabei ein vergleichbare Touren, die man in Berlin und Brandenburg zurückgelegt hat.

Die Herausforderung

„Doch diese Strecke in dieser Zeit, auf unbekanntem Gelände  – das schafft ihr nie!“, hatten ihnen Freunde und Bekannte prophezeit. „Wetten doch?“, war Rakowskis Antwort. Ihm schwebte eine Spendenfahrt, ein Fahren für den guten Zweck, vor. 10 Cent sollten es pro Kilometer sein – also 30 Euro für die 300-Kilometer-Distanz. Viele Kunden und Freunde aus der Kirchengemeinde, in der er aktiv ist, machten mit. So kamen bis jetzt 1.300 Euro zusammen. Das Geld geht an das „Netzwerk gegen Menschenhandel“ – ein Verein, dessen Aktivitäten und Projekte sich gegen sexuelle Ausbeutung und Ausbeutung durch Arbeit in den ländlichen Regionen des indischen Subkontinents richten. „Ein Stück Hoffnung für Menschen, die es unsagbar schwer haben. Auch deshalb war uns die Vättern-Spendenfahrt wichtig“, sagt Stephen.

Jürgen Zweigert, Bild: Privat, Bild: Jürgen Zweigert