Krach ums Nachbarschaftshaus

Lietzensee: Bezirk kündigt Sanierung des Gebäudes an und will einen neuen Mieter.

Im Nachbarschaftshaus Lietzensee (NBH) stehen gravierende Veränderungen bevor. Ab Januar 2018 wird das Stadtteilzentrum von Grund auf saniert. Die Arbeiten sollen sechs Monate dauern, danach die soziokulturellen Angebote wieder aufgenommen werden. Allerdings unter der Federführung eines neuen Mieters. Sozialstadtrat Carsten Engelmann hat sich für die Wilmersdorfer Seniorenstiftung ausgesprochen. „Wir brauchen einen kompetenten und solventen Mieter“, betont der CDU-Politiker. Entschieden sei aber noch nichts. Ein möglicher Zuschlag für die bezirkseigene Stiftung müsse noch mit dem Bezirksamtskollegium und dem Sozialausschuss der Bezirksverordnetenversammlung abgestimmt werden. Vorstandsvorsitzender der Stiftung ist Engelmann, sein Stellvertreter Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD).

Kontakte fördern

Seit zwölf Jahren ist der gemeinnützige Verein Nachbarschaftshaus am Lietzensee e.V. Träger der einst als Nachbarschaftshaus und Seniorenzentrum gegründeten Einrichtung. 2005 wurde daraus ein Selbsthilfe-Treffpunkt und Stadtteilzentrum. „Ziel des Nachbarschaftshauses ist es, intergenerative Kontakt- und Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen, der Isolation verschiedener Bevölkerungsschichten entgegen zu wirken und verloren gegangene nachbarschaftliche Kontakte zu fördern“, so der Verein in einer Selbstauskunft. Dessen Führung fühlt sich überrumpelt. „Das ist kein guter Umgang mit einem langjährigen Partner“, sagt Geschäftsführerin Annette Tafel. Der Stadtrat habe den Vorstand bislang nur spärlich informiert.

„Wenn alles wie geplant durchgezogen wird, stehen wir vor dem Aus.“ Und damit auch die Aktivitäten von 65 Gruppen und Vereinen, 15 Beratern und engagierten Bürgern. In der vergangenen Woche wollte Engelmann den Verein über die Sanierung informieren, sagte den Termin aber krankheitsbedingt ab. Am gleichen Tag fand vor Ort eine Hausversammlung statt. In der von rund 100 Teilnehmern einstimmig gebilligten Entschließung wird der Bezirk aufgefordert, den Nutzern des NBH für die Dauer der Baumaßnahmen ein Ausweichquartier zur Verfügung zu stellen und die Leitung des NBH in die Planung der Bauarbeiten einzubeziehen.

Engelmann widerspricht Tafels Darstellung, den Verein vor vollendete Tatsachen gestellt zu haben. „Die Vereinsführung war bei einer Begehung des Bezirksamts im Gebäude dabei, ist über den Sanierungsbedarf also im Bilde.“ Zur Beendigung des Mietverhältnisses sagt er: „Wir müssen das Haus zukunftssicher machen. Der Verein war auf diesen Schritt seit Langem vorbereitet. Ich hatte bereits 2015 angekündigt, das Mietverhältnis beenden zu wollen. Stattdessen wurde der Vertrag mehrfach verlängert. Seit die Förderung der Einrichtung durch den Senat ausgelaufen ist, haben sich Außenstände ergeben.“

Förderung beendet

Tafel wirft Engelmann vor, den Verein in schlechtes Licht zu rücken. Zwar seien die Zahlungen für die vertraglich geregelte jährliche Instandhaltungssumme reduziert worden, nachdem der Senat vor zwei Jahren die Förderung eingestellt hatte. „Laut Vereinbarung mit dem Eigentümer können diese Minderausgaben aber in den Folgejahren verausgabt werden“, sagt Tafel. „Dies geschah in 13 Jahren das eine oder andere Mal, und zwar immer in Absprache mit dem Eigentümer. Auch in diesem Jahr werden wir unseren vertraglichen Verpflichtungen bis zum Jahresende in vollem Umfang nachkommen.“

Der Verein habe die mietvertraglichen Verpflichtungen im Schnitt sogar um 60 Prozent über das vereinbarte Maß hinaus erfüllt. Ferner weist sie Engelmanns Aussage von sich, dieser habe dem Verein angeboten, gemeinsam nach einem neuen Standort zu suchen, doch der Verein habe abgeblockt. Tafel: „Wir vermissen bis zum heutigen Tag eine respektvolle und kooperative Zusammenarbeit.“ Anfang August will Engelmann den Infotermin nachholen.

Nils Michaelis, Bild: Nachbarschaftshaus am Lietzensee e.V.