Wenn der Pegel sinkt

Naherholung: Wenig Regen, zu viel Hitze: dem Weißen See geht das Wasser aus.

Trocknet der Weiße See aus? Nicht sofort, aber unmöglich ist das nicht. Denn das beliebte Strandbad teilt das Schicksal vieler Standgewässer: Es hat keinen natürlichen Zufluss, wird allein vom Grundwasser gespeist. Sein Pegel steigt und fällt mit dem Nass, das vom Himmel kommt. Weil das seit Jahren viel zu wenig ist, sinkt der Pegel stetig. Strandbad-Betreiber Alexander Schüller ist besorgt: „Bis zu zwei Zentimeter sind es monatlich. Die heftigen Gewitterregen haben gar nichts gebracht.“ Derzeit sei der See maximal gut 8,50 Meter tief – noch vor drei Jahren war es ein Meter mehr. Besonders deutlich zeige sich dies im Nichtschwimmerbereich, der mit seinen knapp 25 Zentimetern Wassertiefe nur noch als Plansche geeignet ist. Deshalb musste Schüller den Kinderschwimmkurs, der eigentlich im Juni beginnen sollte, bereits absagen.

Hausgemachte Probleme

Zuallererst ist diese Entwicklung wohl eine unmittelbare Folge des Klimawandels: Im Berliner Raum fallen im Jahresmittel nur knapp 600 Liter auf den Quadratmeter Boden; kurze, heftige Gewitter wechseln sich mit langen Trockenperioden ab. Keine Chance, dass die Wassermassen auf natürlichem Weg ins Grundwasser versickern und die Speicher auffüllen können. Das meiste fließt in die Kanalisation. Allerdings ist das Klima nicht der allein Schuldige. Ein Großteil der Probleme ist auch hausgemacht. Denn mit Neubauten, Straßen, Parkplätzen wird immer mehr Boden versiegelt – auch rund um den Weißen See herum. Deshalb gelangt das himmlische Nass kaum ins Grundwasser. Und das ist ganz schlecht für den See. Hinzu kommt, dass an sich häufenden Hitzetagen zunehmend mehr Wasser verschwindet: Von den 360.000 Kubikmetern Seewasser sind in den letzten Jahren mehr als 40.000 Kubikmeter verdunstet. Diesen Verlust kann auch eine Pumpe, die Grundwasser zuleitet, nicht ausgleichen.

Wiederherstellung dauert

So bleibt Schüller kaum mehr übrig, als auf Regen hoffend in den Himmel zu gucken. Vorzugsweise nachts natürlich, denn schließlich leben er und seine Mannschaft von den sonnigen Tagen. Eine Sorge mehr für den gebeutelten Strandbad-Pächter: Erst flutete ein aufgerissenes Abwasserrohr seine Einrichtungen, verzögerte den Saisonstart um Wochen – und nun muss er um das Wasser im See bangen. Inzwischen ist das Rohr dicht; provisorische Gastronomie- und Sanitäreinrichtungen sichern den Betrieb des Bades.

Der Schadensverursacher – ein benachbartes Wohneigentum-Bauprojekt – trägt die Kosten für die Wiederherstellung des Leitungssystems. Das dauert, zumal um die Feinheiten weiter gestritten wird. Viel komplizierter wird es, das Verschwinden des Wassers zu stoppen und den Pegel zu halten. Nötig sei dafür ein Konzept, das das Gewässer langfristig vor dem Austrocknen bewahrt, heißt es aus dem Pankower Natur- und Umweltamt. Doch dafür mangle es an Geld und Personal. Die Frage bleibt: Wollen wir tatsächlich achselzuckend zusehen, wie der Weiße See austrocknet?

Jürgen Zweigert, Bild: Wikimedia Commons/Lotse