Ironischer Blick auf ernste Probleme

Kunst: Festival „48 Stunden Neukölln“ unter dem Motto „Schatten“ / Ausstellungen und Performances.

Das Kunstfestival „48 Stunden Neukölln“ ist eine Erfolgsgeschichte.  In einer repräsentativen Umfrage, die die Aktion! Karl-Marx-Straße im vergangenen Jahr durchführte, wurde deutlich: Jeder zweite Befragte aus Neukölln ist mit dem Festival vertraut und drei Viertel von ihnen nehmen das Festival als attraktiv bis sehr attraktiv wahr. Vom 23. bis zum 25. Juni steht die Veranstaltungen rund um die Karl-Marx-Straße unter dem Motto „Schatten“. Das Künstlerduo Saeed Foroghi und Thilo Droste starten mit Unterstützung der Firma Zapf und der Hausverwaltung Harald Kopp eine Kunstaktion, die das Schattenthema der Aufwertung und der Verdrängung auf ironische Weise spiegelt. Sie behaupten, dass sich die Neuköllner Passage (Karl-Marx-Straße 131) in einem Architektur- und Stadtentwicklungswettbewerb unter 738 internationalen Bewerbungen als ein „Prestigestandort“ durchsetzen konnte. Die Kunstaktion Make More präsentiert Siegerentwürfe zur Neugestaltung.

Gemeinsam tanzen

Das SchwuZ (Rollbergstraße 26) startet am Freitag,  um 23 Uhr, laut und schrill mit „48 Tunten Neukölln – 40 Jahre SchwuZ Auftaktparty“ ins vierzigste Jahr und wettet, dass Berlin es nicht schafft, in der Nacht zum 24. Juni bis zwei Uhr 480 Tunten im Fummel zu versammeln. Gelingt dieser Streich, werden 48 SchwuZ-Mitarbeiter auf der Freitreppe des Neuköllner Rathauses „Atemlos durch die Nacht“ singen und Spenden für eine Seniorenwohnanlage sammeln, kündigen  die Veranstalter an. Im Schaufenster der Notunterkunft im ehemaligen C&A-Gebäude in der Karl-Marx-Straße 95 gestalten Neuköllner Willkommensschüler ihre Schatten als Collage an der Fensterfront. Tänzerinnen  und Tänzer  von Mobile Dance e.V. laden Kinder in den Projekträumen der Berlin Mondiale zu einem gemeinsamen Tanz-Workshop ein. Hier werden am Sonntag, ab 17 Uhr, auch „Women“s Films“ gezeigt und diskutiert – Filme mit und von geflüchteten Mädchen und Frauen. Fast  zehn Jahre lang hat die Theater-Pädagogin und Lehrerin Maike Plath an einer Neuköllner Hauptschule gearbeitet und mit den Jugendlichen erfolgreich Theaterstücke entwickelt. Im Studio vom Heimathafen Neukölln  (Karl-Marx-Straße 131) wird der Film „Act! Wer bin ich?“ gezeigt, in dem Rosa von Praunheim die Entwicklung von Maike Plaths Stück „How long is Paradise“ beobachtet.

Austausch fördern

„48 Stunden Neukölln“ versteht sich  als ein Forum für künstlerische Projekte aller Sparten der Berliner Kunstszene. Das Festival präsentiert und fördert Kunst, die einen Beitrag zur Diskussion aktueller gesellschaftlicher Themen leistet und diese reflektiert. Seit der Gründung 1999 hat sich 48 Stunden Neukölln nach eigenen Angaben als  größtes freies Kunstfestival der Stadt etabliert. Die hier entstandenen künstlerischen Arbeiten sollen als Impulse weit über Neukölln hinaus wirken, Stellung zu gesamtgesellschaftlichen Fragen stellen und  einen nachhaltigen Austausch mit der internationalen Kunstszene fördern. In diesem Jahr  wurde „48 Stunden Neukölln“ erneut  mit dem „EFFE Label“ als eines der besten  Festivals Europas ausgezeichnet.

 red, Bild: Dirkk Schamuhn: