Kein Rückenwind für jüdische Gedenkstätte

Geschichte: In einem ehemaligen jüdischen Arbeitsamt will die Initiative „Fontanepromanade 15“ eine Gedenkstätte errichten – eine Unterstützung vom Senat bleibt jedoch aus.

Die „Schikanepromenade“ – so wurde während des Zweiten Weltkrieges das ehemalige jüdische Arbeitsamt an der Fotanepromenade 15 genannt. Von 1938 bis 1943 war hier die „Zentrale Dienststelle für Juden“ ansässig – ein Ort der Demütigung, Selektion,  Ausbeutung und Vernichtung, denn von dort aus wurden sie zur Zwangsarbeit befohlen. In Berlin zählte schätzungsweise rund 26.000 jüdische Zwangsarbeiter zu dieser Zeit.

Büros statt Gedenkstätte

Nach dem Krieg übernahm eine Mormonengemeinde das Gebäude. Vor zwei Jahren wurde es an einen privaten Eigentümer verkauft, der es nun auf eigene Kosten saniert und Wohn- sowie Büroräume einrichtet. Eine Errichtung eines Erinnerungs- und Ausstellungsortes stand für die bezirklichen Gremien jedoch nicht auf dem Plan. Weder Land noch Bezirk haben einen Kauf für den öffentlichen Nutzen in Betracht gezogen. Eine Erinnerungsstele, die bereits 2013 zum Gedenken der jüdischen Opfer dort aufgestellt wurde, sollte laut Bezirk ausreichen.

Authentischer Ort

Daraufhin gründete sich Ende 2016 die Initiative „Gedenkort Fontanepromenade 15“. Sie kämpft für eine Gedenkstätte dort, wo früher Demütigung und Schrecken herrschte. Die Initiative fordert den Stopp der Baumaßnahmen. Schriftstellerin Inge Deutschkron, eine Zeitzeugin, appelliert in einem offenen Brief an die Verantwortlichen aus dem Bezirk, „dass dieses Gebäude eine Nutzung erfährt, die seiner historischen Bedeutung gerecht wird“. Denn gerade der authentische, historische Ort und die einzigartige Schnittstelle zwischen Judenverfolgung und Zwangsarbeit seien Alleinstellungsmerkmale. „Ich beschäftige mich bereits seit 25 Jahren mit Gedenkarbeit, aber diese wichtige Dimension des jüdischen Arbeitseinsatzes war mir so nicht bewusst“, erzählt Lothar Eberhardt, Mitglied der Initiative „Fontanepromenade 15“. Dass diese historischen Räumlichkeiten nun als Büroräume statt als Museum genutzt werden sollten, sei für die Initiative ein Skandal gewesen. Sie erarbeiteten ein integriertes stadträumliches, pädagogisch-wissenschaftliches und künstlerisches Konzept für einen Informations-, Forschungs- und Begegnungsort, das sie am 6. Juni im Nachbarschaftshaus an der Urbanstraße in Kreuzberg vorstellten. „Wir wollen dort ein Bildungs-Café entstehen lassen, in dem kleine Ausstellungen, Lesungen, sowie Diskussionen stattfinden und Exkursionen geplant werden“, verrät Eberhardt.

Kein Geld vom Senat

Gespräche mit dem neuen Eigentümer waren bereits erfolgreich. Er würde der Initiative eine der beiden Büroräume vermieten. Auch beim Fachreferat des Senators für Kultur stieß dieses Konzept Ende Mai bereits auf Begeisterung. Laut Angaben der Initiative wurde das Konzept als „wichtiger Baustein der im Koalitionsvertrag vereinbarten Schaffung einer Stiftung für Zwangsarbeit gesehen“. Eine finanzielle Unterstützung blieb jedoch bisher aus, obwohl das Konzept schon seit Januar beim Senat bekannt war. Durch die bereits begonnenen Modernisierungsmaßnahmen des Eigentümers wird das Land zusätzlich finanziell entlastet, trotzdem hat die Senatsverwaltung noch keine Mittel zur Verfügung gestellt. Eberhardt zeigt sich empört und hofft weiterhin auf ein Einsehen. „Der Senat ist nun gehalten, zu reagieren und eine Finanzierung für das Projekt abzusichern.“

Marley Lackermann, Bild: Stefan Bartylla