Gärtnern gegen Müll

Initiative: Im Bötzow-Kiez kämpfen Freiwillige für einen sauberen Arnswalder Platz.

„Wir sind nicht die Drecksammler des Bötzow-Viertels. Die Müllhaufen muss der Bezirk beseitigen“, sagt Carsten Meyer und fügt hinzu: „Aber wir sind alle verantwortlich für den Zustand unserer Kieze.“ Der gut organisierte, zielstrebige Rentner hat mit seinem Lebenspartner Frank Brunhorn vor gut vier Jahren die „GärtnerInitiative Arnswalder Platz“ ins Leben gerufen. Sie hatten es satt, tatenlos mit anzusehen, wie die grüne Oase zwischen Danziger- und Pasteur-, Bötzow- und Hans-Otto-Straße immer wieder und wieder dem Vandalismus anheimfiel.
Beschämender Anblick. Im Mai 2010 nach dreijähriger Sanierung im Topzustand feierlich übergeben, war das 1,5 Hektar große, denkmalgeschützte Areal mit seinem gewaltigen Stierbrunnen zwei Sommer später kaum wieder zu erkennen: der Brunnen mit Graffiti beschmiert, die Rosenbüsche und Blumenrabatten in einem Unkraut-Meer versunken, der Rasen kniehoch, Dreck und Müll, Kippen und Hundehaufen allerorten. 1,3 Millionen Euro hatte die Sanierung gekostet – verbunden mit dem Angebot an die Bürger, den grünen Platz mit seinen Beeten, Spiel- und Ballplätzen, den alten Bäumen und dem eindrucksvollen Brunnen gut zu nutzen. Und nun? Ein beschämender Anblick.

Konkrete Forderungen

Carsten Meyer und viele andere ertrugen das nicht. „Wir sind die Stadt. Wir Menschen vermüllen die Stadt. Also müssen wir was dagegen tun“, findet er. Obwohl er zum Thema „Müll“ eine klare Meinung hat: Trotz sichtbar knapper Ressourcen müssen Senat und Bezirke endlich Lösungen finden. Achtlose Bürger seien nur ein Teil des Problems. Meyer ist überzeugt: Wo ein politischer Wille ist, finden sich auch Wege. Und untermauert dies mit konkreten Forderungen an die Stadt-Verantwortlichen. „Warum nicht einen Teil der City Tax für saubere Parks einsetzen?“, fragt er. Das wäre plausibel, denn Touristen brauchten nach ihrem „Sightseeing-Stress“ Ruheorte, und anteilig verschmutzen gerade sie die öffentlichen Parks mit Verpackungsmüll. Und: „Warum nicht ein flächendeckender Einsatz der Berliner Stadtreinigung für die Müllentsorgung in allen größeren öffentlichen Parks?“

Härtere Bestrafungen

Inzwischen gäbe es ja schon zwölf Beispiele, wo dies sehr gut funktioniert. Aber Gebiete wie der Görlitzer – oder der Mauerpark seien nicht genug. Schließlich wünschte er sich eine Task Force für die reguläre Reinigung der Naherholungsflächen mit besonders vielen Besuchern samstags und sonntags. Vor allem auch mehr Mülleimer und eine Art „Müll-Polizei“, die für eine härtere Bestrafung der ertappten Sünder sorgt. Dies hat Meyer in vielen Briefen an die Regierenden in Land und Bezirk verdeutlicht. „Bei allem Verständnis für den Geldmangel beunruhigt mich ihre Rat- und Fantasielosigkeit“, resümiert er. Allerdings freue er sich über die 8.600 Euro, die das Bezirksamt Pankow für Geräte und Pflanzen dazu gab.

Saubere Sache

Also machen sie Nägel mit Köpfen, greifen zu Besen, Harke, Hacke und Schaufel für einen saubereren Arnswalder Platz. Jeden dritten Samstag im Monat treffen sie sich; außer im Winter. „Manchmal 20, oft weniger“, sagt Brunhorn. „Der harte Kern ist fast immer dabei.“ Vergangenen Samstag waren es zehn. Sie hatten weniger zu tun als sonst. Rosen und Büsche wurden bereits beschnitten; und der Bezirk packt nun endlich auch den bislang unsanierten Teil an der Danziger Straße an. Erste Vorarbeiten sind getan, im Juni geht“s hier richtig los. Dennoch ist schon wieder jede Menge Unkraut da. Und natürlich sammeln sie am Ende dann doch Müll und Unrat auf. Eine saubere Sache – wenigstens für ein paar Tage.

Autor und Bild: Jürgen Zweigert