Ein weiteres Jahrzehnt mit den Gruselbrücken

Nur ganz mutige Radfahrer trauen sich über die Marzahner Brücken am Verkehrsknoten zwischen Landsberger und Märkischer Allee. Der Umbau wird aber nicht vor dem Jahr 2021 starten.

Für Radfahrer, die von der Landsberger auf die Märkische Allee fahren, ist der Verkehrsknoten auf den Marzahner Brücken furchteinflößend. Straßenschäden, verwirrende, zahlreiche Beschilderung und vor allem irreführende Wegeführung sorgen hier immer wieder für Gefahren. Radfahrer teilen sich die Wege mit Fußgängern oder dem Autoverkehr, schlängeln sich zwischen Laternen und entlang Schlaglöchern. Alles wirkt hier, wie auf einer Autobahn mit Ausnahmegenehmigung für Radfahrer. Kaum zu glauben: Ernsthafte Verkehrsunfälle mit Radlerbeteiligung soll es hier in den vergangenen Jahren nach Angaben der Senatsverwaltung für Verkehr nicht gegeben haben. Das könnte aber auch daran liegen, dass sich ohnehin so wenige Zweiradfahrer auf das Fernstraßenkreuz trauen.

Andere Epoche

Die Streckenführung auf den Marzahner
Brücken ist für Radfahrer schwierig und gefährlich

Als dieses Konstrukt in den Siebzigerjahren gebaut wurde, scherten sich Verkehrsplaner auch in der DDR kaum um die Belange von Radfahrern oder Fußgängern – im Mittelpunkt aller Betrachtungen stand der motorisierte Individualverkehr. Aber selbst für erfahrene Autofahrer erschließt sich dieser Verkehrsknoten im Übergang zwischen Lichtenberg und Marzahn nicht auf Anhieb. „Die Begreifbarkeit der Verkehrsführung ist besonders für Ortsfremde erschwert“, heißt es zusammenfassend in der Antwort zu einer Anfrage des Abgeordneten Stefan Ziller (GRÜNE) über den Planungsstand zu den schon lange avisierten Umbauten an diesem Verkehrsknoten. Das Dilemma sei durch den bloßen Bau von Radfahrstreifen auf den vorhandenen Fahrbahnspuren aber nicht zu beheben. Nur durch Abriss und Neubau könne der Kreuzung die Gefahr genommen werden. Für so einen Bau gibt es bereits seit dem Jahr 2012 eine Machbarkeitsstudie und seit dem vergangenen Januar sogar Geld. Insgesamt 5,3 Millionen Euro sind für die Planungen und den Bau bereits bewilligt. Ein konkreter Termin für diese Bauausführung könne aber noch nicht benannt werden, heißt es im Schreiben der Senatsverwaltung für Verkehr. Der Baustart sei jedoch kaum vor dem Jahr 2021, also neun Jahre nach der Vorlage der Machbarkeitsstudie, realisierbar.

Lange Bauzeit

Der Abgeordnete Kristian Ronneburg (Die Linke) bemerkt dazu, dass selbst für dieses genannte Jahr kein konkreter Termin zur Bauausführung fix gemacht werden kann. Fest stünde allein, dass der Senat allein mit einer Gesamtbauzeit von etwa fünf Jahren rechne. Das Konzept würde dann auch eine völlig eigenständige Spurführung für Radfahrer vorsehen. Im günstigsten Fall wäre die Fertigstellung der neuen Kreuzung für das Jahr 2026 und damit 14 Jahre nach der Vorlage der Machbarkeitsstudie realisierbar.

„Mit dem Bau erst im Jahr 2021 zu starten, ist für mich keine Option. Die Maßnahme befindet sich auch schon jetzt in der Vorplanung. Ich finde das zu spät“, erklärt Zillner auf Anfrage des Berliner Abendblattes. Insbesondere für den Radverkehr bestünde auf den Marzahner Brücken schon jetzt allergrößter Handlungsbedarf. Eine realistische Einschätzung zur Beschleunigung des Projektes sei zum jetzigen Zeitpunkt zwar nicht zu beantworten, aber die Aufgabe aller Abgeordneten sei es nun, dieses wichtige Verkehrsprojekt zu forcieren.

Text & Bilder: Stefan Bartylla