Wenn der Schulweg zur Rennpiste wird

Eine Lenkungsruppe des Bezirks soll für sichere Schulwege sorgen, doch ihre Gründung lässt auf sich warten.

Kurz, bevor die erste Schulstunde beginnt, werden aus ruhigen Seitenstraßen Rennpisten: Eltern bringen ihre Kleinen mit dem Auto bis kurz vor das Schultor und scheren sich nicht um Verkehrsregeln. Was viele dieser Raser oder Parksünder vergessen: Sie gefährden nicht nur andere, sondern auch die eigenen Kinder. Ein Problem nicht nur vor vielen Schulen im Bezirk Steglitz-Zehlendorf: Anfang dieses Jahres hat die Werbellinsee-Grundschule in Schöneberg wegen aggressiver Autofahrer seine Schülerlotsen abgezogen. Der ADAC warnt: Sein Kind in die Schule zu fahren sei gefährlicher, als es selbst gehen zu lassen.

Rücksichtslos gewendet

Vor der Rudolf-Steiner-Schule gilt ein Tempolimit. Nicht jeder hält sich daran.

Die Grünen-Bezirksfraktion fordert das Bezirksamt auf, endlich zu handeln. Besonders brenzlig sei die Lage in der Gutzmannstraße, sagt Fraktionschef Bernhard Steinhoff. In deren Einzugsgebiet befinden sich die Süd-Grundschule und die Emil-Molt-Schule. Steinhoff: „Viele fahren rücksichtslos mit ihrem Geländewagen über Gehwege und wenden dort, die Kinder sind hinter den Reserverädern kaum noch zu sehen.“ Von den Eltern habe es bisher keinerlei Initiative gegeben, die Situation zu verbessern. Auch von Polizei und Ordnungsamt sei nicht viel zu erwarten. Steinhoff verlangt vom Bezirksamt, die von der Bezirksverordneten-versammlung beschlossene Lenkungsgruppe für sichere Schulwege endlich einzurichten. Der zuständige Bezirksstadtrat Michael Karnetzki (SPD) erklärt die Verzögerung mit unbesetzten Stellen in einigen Abteilungen, die sich daran beteiligen sollen. Hoffnungen setzt Steinhoff vor allem in bauliche Maßnahmen, zum Beispiel längere Gehwegvorstreckungen. Eine solche sei etwa auf Betreiben der Eltern vor der Mühlenau-Grundschule entstanden. Dort sind Autofahrer gezwungen, das Tempo zu drosseln. Diskutiert werden unter anderem auch Halteverbotszonen.

Mittel begrenzt

„Die Möglichkeiten der Polizei, des Ordnungsamtes oder des Straßen- und Grünflächenamtes mit verkehrlichen Anordnungen, Kontrollen oder baulichen Maßnahmen für die Probleme, die von Eltern geschaffen werden, Abhilfe zu schaffen, sind begrenzt“, so Karnetzki in seiner Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion. An allen Schulen, die an Hauptstraßen gelegen sind, sei die Geschwindigkeit von Tempo 50 auf Tempo 30 mit zeitlicher Begrenzung für den Unterricht herabgesetzt worden, etwa in der Clayallee, vor der Rudolf-Steiner-Schule und am Teltower Damm, vor der John F. Kennedy Schule. Viele Grundschulen lägen aber ohnehin in dauerhaften Tempo-30-Zonen.

„Weitere Maßnahmen werden in enger Zusammenarbeit mit den Schulleitern abgestimmt“, so der Stadtrat. In der neu gegründeten Friedrich-Drake-Grundschule seien die Schulwege angepasst und Sperrgitter aufgestellt worden, um größere Kindergruppen vom Haupttor an die Seiten zu leiten. Karnetzki appelliert an Eltern, ihrem Kind möglichst früh beizubringen, allein zur Schule zu laufen oder zu fahren.

Nils Michaelis, Bilder: Bild: imago/Westend61, imago/Sven Lambert