Der Kampf um Bildung

Eine Hochschule für Business und Integration soll die Wirtschaft in Spandau fördern.

Eine Universität für Spandau – diese Idee kam dem Universitätsprofessor Jürgen Zimmer im vergangenen Jahr – eine Universität für Spandau. Das Ziel war eine private Hochschule mit dem Fokus auf Business und Integration zu gründen, insbesondere auch für Flüchtlinge. Gemeinsam mit der Initiative der Vereinigung Wirtschaftshof Spandau e.V. wurden erste Konzepte herausgearbeitet und Finanzierungsmöglichkeiten durchdacht. Das alte Kant-Gymnasium an der Carl-Schurz-Straße soll als Spandaus erste und einzige Hochschule dienen.

Zum Wintersemester 2018/19 sollte es losgehen, doch der Senat hat keine Genehmigung erteilt. Gabriele Fliegel, Vorstandsvorsitzende des Wirtschaftshofs Spandau, gibt trotzdem nicht auf und sucht nun einen großen Sponsor, der sich für das Institut begeistert. Durch Flyer und Unterstützung von Trägergesellschaften beantragt sie weiterhin die Genehmigung der Hochschule. Gerade da Spandau der einzige Bezirk ist, der keine eigene Hochschule besitzt, liegt er, was Bildung betrifft, ganz hinten. Durch eine Business-Hochschule soll der größte Industriebezirk Berlins für die Jugendlichen wieder attraktiver werden.

Die Studenten können aus vier Bachelor-Studiengängen im Bereich Management und Geschäftsführung wählen. Nach dem zweiten Halbjahr dürfen sie selber entscheiden, ob sie eine akademische oder handwerkliche Laufbahn einschlagen wollen. Dadurch sollen unterschiedliche Begabungen hervorgelockt werden, so Fliegel. Um den Jugendlichen die Finanzierung der privaten Universität zu erleichtern, haben sich die Gründer ein „Study and Work“- Programm überlegt. Sie werden dadurch den Studierenden Arbeitsplätze in der Berliner Wirtschaft vermitteln, sodass sie zum einen Geld für ihr Studium verdienen, aber auch Branchenluft schnuppern können.

Neben dem wirtschaftlichen Teil soll die Integration eine große Rolle spielen. Zusammen mit Britta Marschke, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Interkulturelles Zusammenleben, will Fliegel mehr Flüchtlinge durch die Vermittlung von Bildung und Sozialverhalten integrieren. „Die Spandauer Hochschule soll ein Ort der Begegnung und des praktischen Austausches werden“, erzählt die Gründerin. Das Ziel sei eine gute Qualifikation der Flüchtlinge, damit sie bei Rückkehr in ihr Heimatland gut ausgebildet sind.

Fliegel selber will die Geschäftsführung in der Trägerschaft übernehmen und überlegt auch eventuell als Lehrkraft an der Universität tätig zu werden. Die Ökotrophologin möchte Kompetenzen für eine gelingende Integration vermitteln, verrät sie. Aufgeben komme deshalb für sie nicht in Frage. Das Bezirksamt stehe hinter der Idee und auch einige Unternehmen unterstützen das Projekt, so Fliegel.

Marley Lackermann, Bild: Thinkstock/iStock/monkeybusinessimages