Ein Platz steht auf der Kippe

Nicht nur am 1. Mai ein sozialer Brennpunkt: U-Bahnhof Leopoldplatz

Bezirksbürgermeister von Dassel beklagt den Niedergang des zentralen Aufenthaltsortes im Wedding. Aufgeben will er den Leo nicht.

Am 7. Mai lädt der Weddingmarkt in diesem Jahr zum ersten Mal wieder Liebhaber von Design- und Kunsthandwerk ein. Nach Jahren des Nomadenlebens kehrt die über die Grenzen des Weddings hinaus bekannte Veranstaltung im fünften Jahr ihres Bestehens an ihren Gründungsort zurück. Doch während Designer, Künstler, Handwerker, Gastronomen, Musiker und Gäste nur auf gutes Wetter hoffen, verbindet die Bezirkspolitik noch ein paar Erwartungen mehr mit diesem Comeback.

Öffentlicher Raum

Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel ist einigermaßen ratlos, was die weitere Entwicklung des Platzes betrifft. Vor gut vier Jahren für mehr als 1,8 Millionen Euro aus diversen Fördertöpfen umgebaut, sollte der Leopoldplatz als beispielhaft dafür gelten, wie es einer Bürgergesellschaft gelingt, einen öffentlichen Raum für all seine Nutzer zugänglich und lebenswert zu machen. Doch die Zeiten, da sich die Trinkerszene auf den von ihr gewünschten und anfänglich auch gepflegten Aufenthaltsort konzentriert hat, sind offensichtlich vorbei. Schuld daran haben Drogendealer und -süchtige, die vor allem die dortige Toilette als perfekten Ort entdeckt hat, ihre Geschäfte abzuwickeln. Schon ist die gerade neu installierte Rauchmeldeanlage zerschlagen, haben die Dealer wieder das Kommando übernommen und sich die Trinker auf den Rathausvorplatz und die U-Bahnstation Leopoldplatz verzogen. „Wir brauchen jetzt restriktive Mittel, damit der Leopoldplatz nicht kippt“, glaubt von Dassel. Wohl wissend, dass es schwierig wird, ein Alkoholverbot auf öffentlichem Straßenland wirksam durchzusetzen.

Neuer Schutzraum

Große Hoffnungen setzt von Dassel in die Gemeinde der Neuen Nazarethkirche. Wenn auch die Bezirksverordnetenversammlung grünes Licht für die Finanzierung gibt, wird sie den alten Trinkraum, das Café Knorke, dem Bezirk wieder zur Verfügung stellen. Mit Hilfe eines freien Trägers soll hier ein Schutzraum für die Trinkerszene entstehen, in dem sie auch von Sozialarbeitern betreut wird. Am liebsten allerdings wäre es von Dassel, der Leo wäre das ganze Jahr von Wedding- und anderen Märkten sowie ihren Besuchern bevölkert.

Ulf Teichert, Bilder: imago/Jürgen Ritter, imago/Florian Schuh