Von Zehlendorf nach Afghanistan

Für die 17-Jährige ging ein Kindheitstraum in Erfüllung

Hertha-Spielerin Dorranai Hassan steht für die afghanische Nationalmannschaft im Tor.

Seit letztem Jahr verspürt die 17- jährige Dorranai Hassan ein anderes Gefühl, wenn sie im Tor steht. Auf sie lastet nun mehr Druck, mehr Verantwortung, da viele Menschen auf sie schauen. Die Berliner Schülerin repräsentiert ihre afghanischen Wurzeln und somit die Heimat ihrer Eltern. Sie ist Torhüterin der afghanischen Nationalmannschaft. „Für mich geht dadurch ein Kindheitstraum in Erfüllung!“, erzählt Dorranai. Schon im Kindergarten rannte sie als Dreijährige dem Ball hinterher, seit der ersten Klasse besuchte sie die Fußball-AG der Schule. 2009 meldete ihre Mutter, gebürtige Afghanin, sie beim Verein Hertha 03 Zehlendorf an. Seitdem ist die Schülerin aus Zehlendorf ihrem Verein treu geblieben. Im vergangenen Jahr ist sie dann auf ein Interview von zwei Hamburger Fußballspielerinnen gestoßen, die über den Aufbau der Frauen Nationalmannschaft für Afghanistan berichteten. Daraufhin hat Dorranai dann Kontakt zu ihnen aufgenommen und wurde kurze Zeit später zu einem Leistungsturnier nach Amsterdam eingeladen. Dort konnte sie mit ihrem Ehrgeiz und ihren Torwart-Fähigkeiten überzeugen.

Neues Gefühl

Nach einigen Trainingscamps, unter anderem in den Niederlanden, folgte dann ihr erstes Spiel gegen Bangladesch bei der Südasienmeisterschaft. „Ich war total nervös, aber es war unbeschreiblich“, sagt sie. Ihre Mannschaft vom Hertha Zehlendorf ist zwar auch in der Bundesliga sehr weit gekommen, trotzdem sei es ein anderes Gefühl. Dorranai ist viel bekannter und die Erwartung einer ganzen Nation lastet auf ihr. Trotz der 1:5-Niederlage ist sie stolz. „Wir geben alle unser Bestes und unterstützen uns gegenseitig“, erzählt die Torhüterin, die zu den jüngsten Spielerinnen der Nationalelf gehört. „Obwohl wir alle aus unterschiedlichen Ländern kommen, sind wir wie Schwestern.“ In Zehlendorf seien die Wurzeln nicht so vielfältig. Obwohl sie jetzt Teil der afghanischen Nationalelf ist, wird sie weiterhin für Hertha auf dem Fußballfeld stehen. Denn durch ihren Debüt-Verein habe sie erst den Mut gehabt, den Schritt in die afghanische Nationalmannschaft zu wagen.

Große Pläne

Dorranai hat bereits große Pläne für die Zukunft. Sie würde gerne in Amerika studieren und sich für ein Fußballstipendium bewerben. Doch zunächst konzentriert sie sich darauf, ein gutes Abitur zu machen. Auch wenn ihre Noten nicht unter der neuen Herausforderung leiden, muss sie eine gute Balance zwischen Schule und ihrer sportlichen Leidenschaft finden. Und wenn der Druck dann doch mal zu viel wird, erinnert sie sich an die Worte ihres Trainers, spricht sich selber Mut zu und gibt wieder mal ihr Bestes.

Marley Lackermann