Mai-Demo zieht durchs „Myfest“

Veranstalter des Straßenfestes hoffen auf gewaltfreien Abend.

Bereits zum 14. Mal findet auch in diesem Jahr das Straßenfest „Myfest“ rund um die Bereiche Oranienplatz, Heinrichplatz und Oranienstraße am Tag der Arbeit, dem 1. Mai, zwischen 12 und 22 Uhr, statt. „Die Versammlung soll den Kiez mit friedlichen Menschen überziehen, um den Ausschreitungen am 1. Mai in diesem Gebiet entgegenzuwirken und potentiellen Gewalttätern eine Alternative zu bieten“, so das offizielle Ziel der Veranstalter. Ob das in in diesem Jahr gelingt, ist allerdings fraglich. Denn die Veranstalter der üblichen linksextremen Mai-Demo haben angekündigt, auch ohne polizeiliche Genehmigung mitten durch das Straßenfest zu ziehen.

Sicherheit gefährdet

In den vergangenen Jahren hatte die Polizei vergleichbare Strecken immer abgelehnt, weil sie die Sicherheit bei dem zum Teil überfüllten Straßenfest gefährdet sah. Der linksautonome „schwarze Block“ der Demonstration tritt meist aggressiv auf, oft werfen Demonstranten schon am frühen Abend Flaschen auf Polizisten. Nach Ende der Demonstration kam es bisher immer zu kürzeren oder längeren Krawallen. In diesem Jahr lehnten die Veranstalter der Demonstration die nach dem Versammlungsgesetz verpflichtende Anmeldung sowie Gespräche mit der Polizei über den Streckenverlauf ab. „Für einen rebellischen, widerständigen und unangemeldeten Revolutionären 1. Mai in Berlin“, hieß es im Internet. Die Veranstalter betonen weiter: „Dabei geht es uns nicht um eine Auseinandersetzung mit den Repressionsbehörden, aber wir werden unsere Demo selbstbestimmt durchsetzen.“ Völlig unklar ist daher, wie der Abend ablaufen wird . Im vergangenen Jahr nahmen etwa 13.000 Menschen an der großen 18-Uhr-Demonstration teil, der Zug führte allerdings weiträumig um das „Myfest“ herum. Die Veranstalter betonten am Montag, sie wollten „an Orten der Verdrängung in Kreuzberg und Neukölln vorbeiziehen“.

Das Straßenfest bietet Livemusik auf acht Bühnen

Dazu gehörten der von Räumung bedrohte linke Kiezladen Friedelstraße 54, der geplante Google-Campus, die früher von Flüchtlingen besetzten Gerhardt-Hauptmann-Schule und das Café Filou. Vom Oranienplatz soll es ab 18 Uhr durch die Oranienstraße und mehrere Straßen der Umgebung, dann nach Neukölln und zurück zum Spreewaldplatz gehen. „Wir haben kaum Informationen, die Polizei kommuniziert nicht mit uns und die Demo-Organisatoren halten sich auch eher bedeckt“, sagt Soner Ipekcioglu, der im Zuge des Myfests für die Pressearbeit verantwortlich zeichnet. Die Mai-Demo jährt sich in diesem Jahr zum 30. Mal. „Da könnte was passieren“, vermutet er. Trotzdem halte der Myfest e.V. seit jeher die Demonstration als wichtig, sie sei fester Bestandteil der Kreuzberger Identität. Um verstärktes Sicherheitspersonal dürfe sich der Fest-Veranstalter nicht kümmern. „Das ist Aufgabe der Polizei. Wir hoffen, das in unserem Kerngebiet nichts passiert“, sagt Ipekcioglu. Im vergangenen Jahr habe man die Leute der Demo jedoch auch ziehen lassen, was friedlich funktionierte. Die Polizei wollte sich laut Bericht der Deutschen Presse-Agentur nicht dazu äußern. Die Pressekonferenz fand bedauerlicherweise erst nach Redaktionsschluss statt. Beim Myfest stehen besonders politische Themen im Vordergrund, die im Kiez aktuell und relevant sind, wie zum Beispiel die Flüchtlingssituation, Gentrifizierung, Mietwucher, aber auch Homophobie und immer noch Rassismus.

Bei Anwohnern unbeliebt

Trotzdem hat sich das Fest bei Anwohnern über die Jahre hinweg mehr und mehr unbeliebt gemacht. Zu viele Leute, zu viel Lärm, zu viel Dreck – das beklagen die Anwohner unter „Nicht_Myfest“ auf Facebook. Soner Ipekcioglu erklärt: „Die meisten Beschwerden kommen aus der Wassertor-, Wiener und Reichenberger Straße. Das ist gar nicht unser Areal.“ Das Myfest sei viel kleiner als gedacht. Seitdem die ursprünglichen 18 Bühnen auf acht heruntergeschraubt wurden, seien die Beschwerden außerdem massiv zurückgegangen.

Andreas Rabenstein (dpa), Sara Klinke, Bild: Kai Nietfeld