Fünf Jahre und noch immer keine Antwort

Gedenkveranstaltung zum  fünften Jahrestag  des Mordes an Burak B. Anwalt attackiert die Ermittlungsbehörden.

Gut fünf Jahre nach dem ungeklärten Mord an dem 22 Jahre alten Burak in Neukölln haben seine Familie, deren Anwälte und Unterstützer erneut die Berliner Ermittlungsbehörden scharf kritisiert. „Wir haben den Eindruck, dass die Staatsanwaltschaft Berlin mittlerweile, faktisch zumindest, die Ermittlungen eingestellt hat“, sagte Anwalt Ögun Parlayan. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Stelter, wies die Vorwürfe zurück. „Das Ermittlungsverfahren läuft“, sagte er. Ermittler hätten in dem Fall alles versucht, wenn auch ohne Ergebnis. Es gebe auch aktuell noch Maßnahmen. Burak B. starb am 5. April 2012, nachdem ein Unbekannter nachts auf offener Straße plötzlich mehrere Schüsse auf ihn und seine Freunde abgegeben hatte. Zwei von ihnen wurden lebensgefährlich verletzt.

Überprüfung gefordert

Dieser Tage  wurde der Grundstein für einen Gedenkort nahe dem Tatort in Britz enthüllt. Nach Angaben einer Sprecherin der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak B. nahmen rund 200 Menschen daran teil. Etliche hätten Blumen niedergelegt oder auch Kerzen aufgestellt. Die Initiative forderte, dass ein unabhängiges Gremium von Experten aus verschiedenen Fachbereichen die bisherige Ermittlungsarbeit überprüfen müsse. Die Ermittlungen müssten insbesondere in Richtung eines rassistischen Tatmotivs neu aufgerollt werden. Anwalt Parlayan berichtete von Ängsten und Verunsicherung unter Türken in Berlin. Der Türkische Bund Berlin-Brandenburg schloss sich den Forderungen an. Der Mutter des Opfers fehlten die Worte. Sie sagte: „Wir sind wirklich sehr, sehr traurig, dass es fünf Jahre geworden sind, und der Täter ist immer noch nicht gefunden.“

Steltner betonte die schwierige Ausgangslage im Fall Burak B. Der Täter verschwand wort- und spurlos, Beschreibungen der Person waren nach seinen Angaben schlecht. Ermittler seien jedoch allen Spuren nachgegangen und hätten detailliert gearbeitet. Unter anderem hätten sie 30 Zeugen mehrfach verhört, seien mehr als 130 Hinweisen aus der Bevölkerung nachgegangen und hätten Listen rechtsextremer Täter abgeglichen. Parlayan zufolge wird der Mordfall aus jetziger Sicht nicht wie erhofft vom Generalbundesanwalt übernommen. Dies hatte er Anfang 2016 gefordert, weil der Fall eine große, über Berlin hinausreichende Bedeutung habe. Angesichts der Morde des NSU-Trios halten es die Anwälte der Familie für möglich, dass der Täter nicht aus Berlin stammt. Nicht einmal in Brandenburg hätten die Ermittler genauer hingeschaut, kritisierte Parlayan. Auch ein möglicher Zusammenhang mit den tödlichen Schüssen ohne erkennbares Motiv auf einen 31 Jahre alten Briten in Neukölln im Jahr 2015 sei nicht ausreichend geprüft worden. Steltner wies auch diesen Vorwurf zurück. Der Mörder des Briten war im vergangenen Sommer verurteilt worden.

dpa/nm, Bild: dpa/Florian Schuh: