Giftige Mitbewohner

Gift- und Würgeschlangen sowie Skorpion aus Tempelhofer Wohnung befreit.

22 Giftschlangen sowie eine fünf Meter lange Würgeschlange, darunter einige der giftigsten und gefährlichsten der Welt, und ein Giftskorpion wurden in einer Tempelhofer Wohnung gehalten. Die Tiere sind nun im Reptilienschutzzentrum Brandenburg untergebracht.

Heikles Hobby

Ein 44-jähriger Mann ging bis vor einigen Tagen noch einem heiklen Hobby nach. Er hielt 22 Giftschlangen sowie eine fünf Meter lange Würgeschlange und einen Giftskorpion in seiner Wohnung in Tempelhof. Nach einem Hinweis aus der Bevölkerung reagierten die Behörden sofort und baten Marko Hafenberg, Experte für Gifttiere und Leiter des Reptilienschutzzentrums „aktion tier Brandenburg“, um Hilfe. Wie sich bei der gemeinsamen Kontrolle herausstellte, lebten in der Wohnung einige der giftigsten und gefährlichsten Schlangen der Welt. Zum Beispiel Giftnattern mit hochwirksamen Nervengiften wie die Ägyptische Kobra (Naja haje) und die Monokelkobra (Naja kaouthia). Außerdem Vipern mit gewebe- oder nervenzerstörenden Giften wie die Westliche Gabunviper (Bitis gabonica rhinoceros) oder die Schauer-Klapperschlange (Crotalus durissus collineatus). Auch das Gift des Dickschwanzskorpions (Parabuthus schlechteri) kann dem Menschen gefährlich werden.

Illegale Haltung

Die meisten der in zwei Zimmern übereinander gestapelten Terrarien waren nicht ausbruchsicher, da entsprechende Schließvorrichtungen fehlten. „Nicht auszudenken was hätte passieren können, wenn sich eines der Reptilien in dem Mehrfamilienhaus auf Entdeckungstour begeben hätte“, heißt es seitens des Schutzzentrums. Die Haltung gefährlicher Wildtiere ist in Berlin in einer speziellen Verordnung geregelt. Alle 22 in der Wohnung vorgefundenen Giftschlangen sowie der Skorpion stehen auf der Verbotsliste. Ihre Haltung war folglich illegal. Für den großen Netzpython war eine erforderliche Ausnahmegenehmigung nicht vorhanden, so dass auch dessen Haltung nicht gesetzeskonform war. Die anwesende Amtstierärztin ordnete sofort die Wegnahme der Tiere an. Selbst der erfahrene Giftschlangenexperte Marko Hafenberg geriet beim Einfangen der gefährlichen Reptilien ins Schwitzen, zumal auch die sehr beengten räumlichen Verhältnisse das Hantieren mit den Schlangenhaken erschwerten. Bei dem großen Netzpython (Python reticulatus) waren fünf Personen erforderlich, um die beeindruckende aber auch sehr wehrhafte Würgeschlange in eine Transportbox zu verfrachten. Nach etwa vier Stunden waren dann alle Tiere in mehrfach gesicherten Behältnissen verstaut. Im Brandenburger Reptilienschutzzentrum werden die Schlangen und der Skorpion erst einmal in Quarantäne gehalten. Eine Vermittlung an Privatpersonen ist ausgeschlossen.

Bundesweite Verordnung

Gegen den Halter wurde nun ein Bußgeldverfahren eröffnet und er wird auch die Kosten des Einsatzes tragen müssen. Angesichts dieses neuerlichen Falles von illegaler Gifttierhaltung weist „aktion tier“ einmal mehr auf die dringende Notwendigkeit einer bundesweiten Gefahrtierverordnung hin. Bisher regeln dies die Länder immer noch nach eigenem Gusto. Es ist zwar lobenswert, dass in Berlin eine klare gesetzliche Regelung besteht. Mehrere Bundesländer, darunter Brandenburg, haben jedoch keine entsprechende Verordnung. Dort kann jeder Giftschlangen halten, ohne eine entsprechende Sachkunde oder die Sicherheit der Unterbringungen nachweisen zu müssen. Weitere Informationen unter: www.aktiontier-brandenburg.org

Red., Bilder: aktion tier